„All colors are beautiful“ – Die Wirkung von Menschenrechts- und Friedensbildung

Die Bereitschaft zu helfen, sich einzusetzen und positive Veränderung zu bewirken, ist groß unter jungen Menschen. Die 6. Steirische Jugendstudie, die 1949 SchülerInnen und Lehrlinge in der gesamten Steiermark befragt hat, zeigte, dass 88% der jungen Menschen einschreiten, wenn jemand ungerecht behandelt wird. 87% der befragten Jugendlichen holen Hilfe, wenn sie eine Gewalttat beobachten.

 

Diese Ergebnisse decken sich mit dem, was wir in der ARGE Jugend in unseren Projekten mit jungen Menschen erleben. Wenn man Jugendlichen nur den Anstoß, den Raum und das Werkzeug, um sich für ein friedliches Miteinander frei von ungerechter Behandlung einzusetzen, zur Verfügung stellt, kultivieren sie diese Werte ganz selbstständig und selbstverständlich.

In unseren Projekten, wo SchülerInnen Zeit und Raum zur Reflexion über den Mehrwert von einer vielfältigen Gemeinschaft, antidiskriminierendem Verhalten, gegenseitiger Akzeptanz und einem respektvollen Umgang bekommen, entstehen beeindruckende Ergebnisse und ein Engagement, das sich zeigen lässt. Wir berichten über zwei Schulen, die aktiv am Projekt „Schule ohne Rassismus“ und „Menschenrechte als gelebte Alltagskultur“ teilnehmen beziehungsweise daran teilgenommen haben.

 

Die 7. Klassen und die ARGE Diversität des BG/BRG Judenburg setzen sich aktuell tatkräftig für eine Schule frei von Diskriminierung ein. Die SchülerInnen der 5. Klassen haben auf eigene Initiative eine Arbeitsgemeinschaft für Diversität gegründet, in der sie sich das Ziel gesetzt haben, MitschülerInnen und Lehrpersonen für den Umgang mit Diversität aus den verschiedensten Perspektiven zu sensibilisieren. Im Projekt „Schule ohne Rassismus“ werden sie zu MultiplikatorInnen ausgebildet werden, um selbst Workshops an ihrer Schule zu halten. Sie haben ihre eigene Instagram-Kampagne @wesupportdiversity ins Leben gerufen, auf der man sich zum Thema Antidiskriminierung informieren kann. Außerdem steckt das BG/BRG Judenburg gerade mitten in den Vorbereitungen, um ganz im Namen der Gendergleichberechtigung eine Unisex-Toilette zu eröffnen.

Die 7AB des BG/BRG Judenburg hat sich entschieden, sich im Rahmen des Projekts mit dem spannenden Thema „Rassismus und Diskriminierung in der Kunst“ zu beschäftigen. In Workshops mit FachreferentInnen reflektieren sie über Vorurteile, Rollenbilder und Klischees, die in Bildern zu finden sind und beschäftigen sich mit der Wichtigkeit einer diversitätssensiblen Repräsentation von Menschen. Dem theoretisch Gelernten geben sie in selbst gestalteten Bildern eine reale Form:

 

Die 6. und 7. Schulstufe des BG/BRG Dreihackengasse machte im Vorjahr beim Projekt „Schule ohne Rassismus“ mit und arbeitet auch dieses Schuljahr noch fleißig weiter am Thema. 2020/21 nahmen die drei Klassen 5P, 5PK und 6P des Bundesgymnasiums Dreihackengasse teil. Dabei beleuchteten die SchülerInnen die Themen der Menschenrechte, Rassismus, Gewaltprävention und Diversität von verschiedenen Blickwinkeln. Nachdem die Lehrpersonen mit den SchülerInnen an die Inhalte der Workshops angeknüpft hatten, erfolgte der praktische Teil des Projekts.

Dazu schaffte die ehemalige 5P-Klasse einen Raum für Diskussion über Menschenrechte, Gewaltprävention und Antidiskriminierung, indem sie Film- und Leseclubs organisierten. Im Rahmen dieser Clubs wurden Filme und Bücher ausgewählt, deren Inhalt die Themen des Workshops widerspiegelten. So schauten sie die Filme „The Hate U Give“ sowie „Hidden Figures“ an und lasen themenbezogene Mangas. Im Anschluss folgten Diskussionen auf der im Rahmen des Projektes selbst gebauten Lese- und Austauschbank, die das Recht auf Bildung symbolisieren soll. Außerdem entwickelten die ehemalige 5P und 5PK einen Workshop, Fragebögen zum Thema Rassismus und einen Podcast zum Thema Feminismus und die ehemalige 6P Buttons zum Thema Rassismus und gegenseitiger Unterstützung.

Die Auseinandersetzung mit Antidiskriminierung wirkte so stark bei den SchülerInnen nach, dass die Klassen sich entschieden, im heurigen Schuljahr tatkräftig an den Themen weiterzuarbeiten. So präsentierte die heurige 6P die Ergebnisse der Fragebögen über Rassismus, die im 5. Jahrgang durchgeführt wurden. Dabei wurde auch eine kleine Fotoshow dargeboten, welche die schönen Momente vom Vorjahr festhielt. Die heurige 6PK hingegen entwickelte einen Workshop, welcher den Namen „Let’s talk about racism. All colors are beautiful” trug. Die Klasse organisierte den Workshop rund um einen Stationenbetrieb, an dem sechs Unterstufenklassen teilnahmen. Somit wurden die SchülerInnen, die am Projekt teilgenommen haben, zu MultiplikatorInnen, die den Spirit von einem diversitätssensiblen Miteinander weiter verbreiten. In den Worten der 6PK: „Wir stehen dafür ein: Rassismus ist blöd, Offenheit schlau! Respekt ist ein Muss, sei dir dessen bewusst!“

 

© Bernadette Nagl: Die SchülerInnen der 6. und 7. Klassen des BG/BRG Dreihackengasse beim Erarbeiten von Workshops und Plakaten zum Thema „Schule ohne Rassismus“

Die Beispiele aus dem Projektalltag der Jugendlichen machen deutlich, was für wirkungsvolle Ergebnisse eine angeleitete und interaktive Sensibilisierung zu Menschenrechtsbildung und Antidiskriminierung hervorbringt. Junge Menschen sind so sehr bereit dazu, sich für ein friedlicheres und gerechteres Miteinander einzusetzen. Oft ist das Einzige, was es braucht, SchülerInnen aufzuklären, ihnen Handlungsspielräume aufzuzeigen und ihnen anschließend den Raum zu geben, um eigene sprießen, wachsen und aufblühen zu lassen.

 

Viel Bewunderung und ein großer Dank geht an die ARGE Diversität und die 7. Schulstufe des BG/BRG Judenburg, an die 6. und 7. Schulstufe des BG/BRG Dreihackengasse, an die engagierte Direktorin und die engagierten Projektkoordinatorinnen & Lehrerinnen des BG/BRG Judenburg Ursula Schriefl, Christina Zisser und Klara Huber und die engagierte Projektkoordinatorin & Lehrerin des BG/BRG Dreihackengasse Bernadette Nagl sowie an all unsere engagierten ProjektpartnerInnen. Vielen Dank für euren Einsatz für ein so wichtiges Thema: Dass ihr Diskriminierungsformen wie Rassismus und Sexismus entgegenwirkt und die Werte der Menschenrechte und eines friedlichen Miteinanders stärkt!

 

 

Verfasst von: Verena Ulrich, mit Hilfe von Eljesa Jashari



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