Ideen ohne Gewissensbisse – Wie wir zu einer besseren Umwelt beitragen können

Taten sagen bekanntlich mehr als Worte – so auch beim Umweltschutz. Aber wie führen wir mit unseren Entscheidungen nachhaltige Veränderung für unser Klima herbei? Eines ist klar und kann frustrierend sein – mehr und besser geht immer. Das darf aber keine Ausrede dafür sein, die Augen zu verschließen und gar nicht erst damit anzufangen, etwas zu ändern. Schließlich betrifft der Klimawandel letztendlich uns alle. Freitags auf der Klimademo würde es heißen: „WESSEN ZUKUNFT?“ – „UNSERE ZUKUNFT!“

Zu dem Thema Umweltschutz durften wir unserer Referentin Michaela Schneeberger einige Fragen stellen. Sie beschäftigt sich unter anderem im Zuge des Projektes „Our Food. Our Future“ intensiv mit dem Thema Klimaschutz im Zusammenhang mit Ernährung und hat gemeinsam mit Gloria Grogger ihr eigenes nachhaltiges Catering-Unternehmen „Miria“ gegründet. So wurde eine klimafreundlichere Alternative zu kommerziellem Catering geschaffen. Michaela Schneeberger erzählt uns über ihren Beitrag zum Umweltschutz, über die Lebensmittelkette beziehungsweise darüber, warum es manchmal besser ist, zu der Banane zu greifen, die nicht BIO ist und außerdem über ihre persönliche Motivation, dranzubleiben.

In unserem Interview haben wir auch Aussagen derer miteinbezogen, die die Auswirkungen des Klimawandels am meisten betreffen – die der Jugendlichen. Die ARGE Jugend befragte 2021 im Zuge der 6. Steirischen Jugendstudie beinahe 2000 Jugendliche aus der ganzen Steiermark zu verschiedensten Themen, die sie betreffen, unter anderem zu Klima- und Umweltschutz:

 

ARGE Jugend: Die befragten Jugendlichen schätzen die Problematik beim Thema Klimawandel wie folgt ein – Was liest du daraus Michaela? Bzw. bestätigt sich das Ergebnis in deinem Alltag/Berufsleben?

Michaela Schneebacher: Das bestätigt meine Annahme, dass sehr vielen Menschen – eben oder gerade auch jungen – der Klimawandel bewusst ist. Erleben tu ich es in dem Sinn, dass viel darüber berichtet wird, dass es viele Projekte in diesem Zusammenhang gibt, dass es in den sozialen Medien präsent ist und dass es viele „nachhaltige“ Produkte im Angebot gibt. Man sieht es an den freitäglichen Klimademos. Im Arbeitsalltag merke ich, wie viele Gruppierungen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Allerdings merke ich auch, dass Bewusstsein und Handeln ganz stark auseinanderklaffen. Nur ein geringer Prozentsatz geht wirklich zu den Demos, nur ein geringer Prozentsatz ändert etwas am individuellen Verhalten (es wird genauso viel konsumiert, es wird mit dem Flugzeug geflogen, es wird Fleisch gegessen etc.).

ARGE Jugend: Ich weiß auch, dass du mit deiner Geschäftspartnerin Gloria ein eigenes Catering aufgebaut hast – vollkommen umweltfreundlich – bitte erzähle mir, warum du denkst, dass das in der heutigen Zeit so wichtig ist?

Michaela Schneebacher: Wir wollen mit unserem Catering eine Alternative zu anderen Catering-Unternehmen bieten. Wir haben das Gefühl, dass kaum jemand so konsequent auf Regionalität, Saisonalität, Qualität der Produkte achtet wie wir. Mit dem Catering habe ich es selbst in der Hand zu entscheiden, wo und vor allem welche Produkte ich kaufe. Ich denke in der heutigen Zeit ist es notwendig, radikal und konsequent zu sein und das kann ich am besten umsetzen, wenn ich es selbst mache. Wichtig ist einerseits die Freude an der Tätigkeit aber andererseits auch die Notwendigkeit und diese ist gegeben, weil unsere Ernährung massive Auswirkungen auf das Klima hat.

(Quelle: Pixabay https://pixabay.com/de/photos/antioxidans-apfel-avocado-5954193/)

ARGE Jugend: Zudem: Wie kommt euer Business denn bei Jugendlichen an? Habt ihr da Rückmeldungen? Bzw. merkt ihr, dass junge Menschen sich immer mehr für das Thema interessieren und auch aktiv werden?

Michaela Schneebacher: Interessante Frage. Tatsächlich haben wir hin und wieder Anfragen von Jugendlichen. Voriges Jahr z.B. haben wir bei einem Klima-Event der HLW-Schrödinger gecatert. Sie haben uns heuer wieder für eine Veranstaltung angefragt. Am Wochenende haben wir für die Alpenvereinsjugend gekocht. Es gibt also immer wieder Gruppierungen, die anfragen. Es sind aber solche, die sich tiefer mit dem Thema auseinandersetzen. Diese Jugendlichen fanden das Thema wichtig und unser Catering toll. Auf der anderen Seite kochen wir einmal die Woche für 60 Kids an einer Schule ein veganes, regionales, saisonales Mittagsmenü. Das kommt nicht immer so gut an, was denke ich daran liegt, dass die Kids sich nicht „freiwillig“ dafür entscheiden. Es ist halt das Essen, dass an der Schule angeboten wird.

ARGE Jugend: Du hast mir auch von dem neuen Projekt “Our Food. Our Future” erzählt, wo du koordinieren darfst: Wie kam das zu Stande? Worum geht es da? Können Jugendliche da mitmachen?

Michaela Schneebacher: „Our Food. Our Future“ ist ein EU-Projekt, das im europäischen Raum in den verschiedensten Ländern auf verschiedenste Arten umgesetzt wird. Wir als Verein „Transition Graz“ setzen ein Subprojekt „Das Mosaik des guten Essens für Alle“ in Graz um. Dabei geht es um eine Sensibilisierung für eine nachhaltige Ernährung unter Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren. Wir haben 6 Schwerpunktthemen entlang der gesamten Lebensmittelkette definiert. Diese reichen vom Anbau, über die Logistik, die Menschenrechte, den Konsum, kulturelle Essgewohnheiten bis hin zur öffentlichen Beschaffung. Zu diesen 6 Schwerpunktthemen bieten wir jeweils zwei Workshops an. Diese richten sich explizit an junge Menschen und wir freuen uns, wenn viele teilnehmen. Infos und Details gibt’s auf unserer Homepage und in den Social-Media-Kanälen. Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme.

ARGE Jugend: Eine weitere Frage aus der Jugendstudie:

Wie überzeugt bist du, dass die Probleme, die aus dem Klimawandel resultieren, bewältigt werden können? Und denkst du, dass euer Catering und das Projekt “Our Food. Our Future” ein Weg in die richtige Richtung sind?

Michaela Schneebacher: Ich freue mich darüber, dass 30% glauben, dass eine Katastrophe noch abzuwenden ist. Das motiviert. Ich freue mich, wenn diese 30% bei unserem Projekt dabei sind oder unser Catering in Anspruch nehmen. Ich denke, dass unser Catering darauf abzielt, möglichst wenig „Schaden“, im Sinne von Klimaauswirkungen anzurichten. Deswegen ist es eine super Alternative zu konservativerem Catering. Und das Projekt soll Menschen erreichen; sie dazu bringen ihr eigenes Handeln zu hinterfragen und zu ändern. Wenn das gelingt, glaube ich schon, dass es Schritte in die richtige Richtung sind. Ganz persönlich glaube ich nicht, dass eine Klimakatastrophe abzuwenden ist. Es geht nur darum, sie zu verlangsamen, damit wir uns möglichst gut an die neuen Gegebenheiten anpassen können.

ARGE Jugend: Wie kann man Teil des Projekts “Our Food Our Future” werden?

Michaela Schneebacher: Liked uns auf Instagram, Facebook, TikTok und teilt die Inhalte, schaut auf unserer Homepage vorbei, schreibt uns, meldet euch für die Workshops an…

ARGE Jugend: In der Jugendstudie haben wir die Jugendlichen auch dazu befragt, wie und wo sie sich umweltbewusst/umweltfreundlich verhalten. (Abbildung im Anhang) Besonders spannend finde ich, dass bereits über die Hälfte der Jugendlichen angegeben hat, immer oder meistens Lebensmittel aus biologischem Anbau zu kaufen – Warum ist das so wichtig deiner Meinung nach?

Michaela Schneebacher: Biologische Produkte sind gerade in Bezug auf die Klimaauswirkungen wichtig, da sie weniger Ressourcen und tendenziell auch weniger CO2 in der Herstellung verbrauchen. Allerdings geht biologisch nicht weit genug – man muss auch auf Regionalität und Saisonalität schauen. Ein Apfel aus Österreich in der Saison nicht BIO, ist immer besser als die BIO-Banane aus Costa Rica. Interessant finde ich ja, dass die Jugendlichen angegeben haben, BIO zu kaufen, da sich dies im tatsächlichen Einkaufsverhalten nicht widerspiegelt.

ARGE Jugend: Du hast Regionalität angesprochen. Auch regionale Produkte zu kaufen und zu schauen, woher die Sachen kommen, scheint bei den Jugendlichen angekommen zu sein – Wie steht ihr dazu? Kann das die Welt von morgen verbessern?

Michaela Schneebacher: Unbedingt. Zu schauen, wo die Produkte herkommen, ist total wichtig. Wir wünschen uns eine Angabe von sogenannten „Food Miles“, die angeben, wie weit ein Lebensmittel gereist ist. Am liebsten wäre mir noch eine Angabe wieviele Ressourcen benötigt, wie viel CO2 verbraucht wurde und welche Arbeits- und Menschenrechte evtl. verletzt wurden. Regionalität hat zudem den Vorteil, dass klar ist, wo produziert wurde und man daraus ableiten kann, WIE produziert wurde. Einerseits in Bezug auf die schon angesprochenen Menschen- und Arbeitsrechte, aber auch bezogen auf die Produktionsweisen. Eine Regionalisierung sehen wir als zentral für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem.

ARGE Jugend: Was bedeutet es eigentlich Fleisch zu essen? Nur ein Bruchteil der Jugendlichen verzichtet ganz darauf – Hast du eine Idee, wie man die Zahlen hier verbessern könnte? Hilft es Fleisch aus Biologischer Landwirtschaft zu essen oder macht das eigentlich keinen Unterschied?

Michaela Schneebacher: Wenn man Fleisch isst, muss einem bewusst sein, dass das mit immensen Umweltauswirkungen verbunden ist. Außerdem werden dafür Menschenrechte verletzt, wenn zum Beispiel bei dem Sojaanbau für Viehfutter Menschen im globalen Süden von ihren Ländern vertrieben werden. Zudem wird Fleisch oft möglichst günstig angeboten – dafür müssen Tiere in Massentierhaltung leiden. Die Fleischindustrie ist auf Profit aus und auf der Strecke bleiben Tier, Mensch und Umwelt. Wir verzichten beim Catering und privat konsequent auf Fleisch und andere tierische Produkte. Natürlich ist der Fleischkonsum ein Thema bei „Our Food Our Future“, da er jede Ebene der Lebensmittelkette betrifft: Anbau, Konsum, Umwelt, Menschenrechte…

Um die Zahlen zu verbessern kann man auf politischer Ebene ein paar Veggie-Days in der Gemeinschaftsverpflegung einführen. Man kann die Preise für tierische Produkte so anheben, dass sie den wahren Kosten entsprechen, jeder entlang der Kette fair entlohnt wird, die Tiere kein tristes Dasein in Massenställen führen müssen und die Umwelt nicht zerstört wird. Eine verpflichtende Kennzeichnung von der Menge der Umweltauswirkungen würde ich für sinnvoll halten. Mit Bewusstseinsbildung kann schon im Kindergarten angefangen werden. Allerdings sollten wir Erwachsenen erstmal mit gutem Beispiel vorangehen.

Es ist besser Fleisch aus BIO-Landwirtschaft zu essen, wenn es hier produziert wurde, ja. Berücksichtigen dabei muss man vor allem, wie das Tier gefüttert wurde. Weidehaltung ist auf jeden Fall vorzuziehen und das Fleisch von Tieren von kleinen Höfen.

 

 

In unserem Katalog bieten Michaela und ihrer Geschäftspartnerin Gloria Workshops wie zum Beispiel „Einfach gesund jausnen“ oder „Unser täglich Brot – Wie unsere Nahrung die Umwelt beeinflusst“ an.

 

Mehr zu den aktuellen Ergebnissen der 6. Steirischen Jugendstudie findet ihr hier!

 

Und falls ihr euch noch das Projekt „Our Food. Our Futre“ anschauen wollt, findet ihr hier die passenden Links:

https://ourfood.at/

https://twitter.com/gutes_essen_

https://www.facebook.com/mosaik.des.guten.essens

https://www.instagram.com/mosaik_des_guten_essens/

 

Text von: Victoria Hemmer & Marie Wabl

 

Anhang:



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