Der Weg zu Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung

Jugendliche und die Pubertät

Nicht mehr Kind, aber auch noch kein Erwachsener – das ist die Zwischenphase, in der Jugendliche oft nicht wissen, wer sie eigentlich sind oder wohin es für sie geht. Die Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche versuchen ihre eigene Identität zu finden, starke körperliche Veränderungen wahrnehmen und erste tiefgreifende Beziehungen zu großem Gefühlchaos führen können.

Die Pubertät ist jedoch auch die Zeit, in der Selbstwirksamkeit, sprich durch eigene Kraft etwas zu bewirken, Eigenverantwortung und Autonomie gefördert gehören. In diesen Lebensjahren ist es sehr wichtig jungen Menschen Zeit und Raum zu geben, damit sie sich entwickeln, eigene Fehler machen und selbst draufkommen können, was funktioniert und was nicht.

Jugendliche, die bereits zu Beginn der Pubertät eine hohe Selbstwirksamkeit haben, fällt die Entwicklungsphase etwas leichter. Sie können besser mit Situationen, in denen sie durch eigenes Handeln zum Ziel kommen wollen, umgehen. Außerdem haben sie bereits die Erfahrung gemacht, dass Herausforderungen dazu da sind, um sie anzupacken und gehen mit einer positiven Einstellung sowie Ausdauer an Aufgaben heran. Junge Menschen, denen es noch an Selbstwirksamkeit fehlt, sollten von ihren Familien und dem Umfeld stärker aufgebaut und unterstützt werden. Oft fehlt es diesen Jugendlichen dann auch an Selbstbewusstsein, ein Baustein, der sehr eng mit der Selbstwirksamkeit verknüpft ist: Wer sich selbst nicht vertraut, weil er nicht an sich glaubt, wird Herausforderungen ängstlich und zurückhaltend oder sogar negativ eingestellt begegnen.

Im Austausch mit anderen Jugendlichen aber auch mit Erwachsenen, die ihnen die Möglichkeit geben sich zu entfalten, kann durch Kommunikation, gute Konfliktlösung und Teamwork, Selbstwirksamkeit im großen Maß wachsen. Auf der einen Seite braucht es Zuspruch und Ermutigungen, um Selbstwert zu stärken, auf der anderen Seite müssen Jugendliche lernen, dass Hochmut und Überschätzung selten ans Ziel führen.

In unserer Gesellschaft haben Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung einen hohen Stellenwert. Bereits als Kleinkinder lernen wir, dass unsere Handlungen Konsequenzen mit sich bringen und können dadurch sehen, dass Tun Erfolg oder Misserfolg bedeutet. Doch nicht nur der Stellenwert zählt, eine hohe Selbstwirksamkeit und ein Vertrauen in sich selbst sind zentral für die körperliche und psychische Gesundheit in jedem Alter.

 

(https://pixabay.com/de/photos/tafel-kreide-business-job-arbeit-3695073/)

 

Doch was sagen Jugendliche eigentlich zu diesen Themen? Wie schätzen sie selbst ihre Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung ein?

In der 6. Steirische Jugendstudie, einem Gemeinschaftsprojekt der ARGE Jugend in welchem knapp 2000 Jugendliche befragt wurden, gab es unter anderem den Themenschwerpunkt „Einschätzung von Verantwortung, Selbstwirksamkeit und Autonomie“.

Rund 80% der befragten SchülerInnen schätzen ihre Fähigkeit, Probleme aus eigener Kraft meistern zu können bzw. sich in schwierigen Situation auf ihre eigene Kompetenz verlassen zu können, als gut ein. Vor allem Befragte aus Landesberufsschulen sehen ihre Selbstwirksamkeit als besonders gut. Ein Grund dafür mag die Arbeitserfahrung sein, denn durch berufliche Erfolge in der Ausbildung, sind junge Menschen bereits mittendrin im eigenen Tun und müssen Entscheidungen treffen, die auf Eigenverantwortung basieren. Gute Rückmeldungen im Berufsalltag sind ein guter Weg, um Jugendliche in ihrer Pubertät aufzubauen und ihnen das Gefühl zu vermitteln, kompetent zu handeln. Sie müssen Fehler machen dürfen, um danach Erfolgserlebnisse feiern zu können.

Aber nicht nur im Arbeitskontext auch in der Freizeit können Jugendliche Ziele verfolgen, indem sie sich bei Hobbys voll einsetzen um ihre Selbstwirksamkeit zu steigern. Albert Bandura, ein kanadischer Psychologe, begründete die sozial-kognitive Theorie. Laut dieser, sind vier Faktoren besonders wichtig, um Selbstwirksamkeit zu stärken:

  • Eigene Erfolgserlebnisse
  • Körperliche und emotionale Empfindungen
  • Stellvertretende Erfahrungen
  • Verbale Überzeugungen

Jugendliche sind in der Pubertät in einer schwierigen Zwischenphase und können Ratschläge vor allem von Erwachsenen oft schwer annehmen, das bedeutet aber nicht, dass man ihnen kein gutes Gefühl übermitteln kann – dieses ist oft mehr wert als ein Gespräch. Und manchmal braucht es auch einfach nur ein Zuschauen und Abwarten, dies zeigt sich auch in der Jugendstudie, denn die Jugend von heute glaubt an sich:

9 von 10 Jugendlichen sagen, dass sie völlig bzw. größtenteils selber sehr viel dazu beitragen, im Leben die eigenen Ziele zu erreichen. Die Stimmung unter den Jugendlichen ist demnach sehr positiv und zeigt, dass wir ihnen mehr zutrauen können als manchmal gedacht.

 

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Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung gehen am Ende Hand in Hand. „Denn wer eigenverantwortlich handeln will, muss die Erfahrung gemacht haben, dass er mit seinen Handlungen erfolgreich ist und dadurch seine Zukunft selbst gestalten kann.“[1]

Jugendliche lernen in diesem Alter Eigenverantwortung zu übernehmen, sprich für sich selbst verantwortlich sein und demnach zu handeln. Eigenverantwortung zu übernehmen, bedeutet Kontrolle über sein Leben zu haben und es positiv beeinflussen zu wollen. Dies wiederum stärkt das Selbstbewusstsein und führt zu höherer Selbstwirksamkeit.

 

Mehr zu den aktuellen Ergebnissen der 6. Steirischen Jugendstudie findet ihr hier! )

Victoria Hemmer

 

Quellen:

Selbstwirksamkeit bei Jugendlichen, Gesundheitsförderung Schweiz, 25.03.2021, URL: https://www.youtube.com/watch?v=HjyjuqkImGE&ab_channel=PromotionSanteCH

Lernen fördern, Heft 4/14, Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit, URL: https://lernen-foerdern.de/wp-content/uploads/2017/03/LF-1-14-Selbstwirksamkeit.pdf

6.Steirische Jugendstudie

[1] Lernen fördern, Heft 4/14, Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit, URL: https://lernen-foerdern.de/wp-content/uploads/2017/03/LF-1-14-Selbstwirksamkeit.pdf,



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