160 Millionen Kinder der Welt in Kinderarbeit! – Ein Weckruf zum Welttag gegen Kinderarbeit, 12. Juni 2021

In den vergangenen 20 Jahren befand sich die Zahl der durch Arbeit ausgebeuteter Kinder stetig im sinken. Mit dem Jahr 2021 zeigt sich erstmals nach zwei Jahrzehnten eine traurige Trendwende: anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni 2021 veröffentlichten die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) in ihrem aktuellen Report „Child Labour: Global Estimates 2020, trends and the road forward” („Kinderarbeit: Globale Schätzungen 2020, Trends und der Weg in die Zukunft”) alarmierende Zahlen und Fakten.

So sind weltweit aktuell 160 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen, was eine Zunahme von über acht Millionen in den letzten vier Jahren bedeutet. Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist in den nächsten ein bis zwei Jahren sogar mit weiteren neun Millionen zu rechnen. Dabei stellt die am stärksten von Kinderarbeit betroffene Altersgruppe jene der fünf- bis elfjährigen Mädchen und Jungen dar. Diese verrichten mitunter besonders gefährliche Arbeiten – Tätigkeiten, die ihre körperliche oder seelische Gesundheit bedrohen und Gefahren für Leib und Leben bergen.

Eine besonders große Rolle spielt der Faktor „ländliche Region“. So ist Kinderarbeit weltweit in ländlichen Regionen fast dreimal so stark verbreitet wie in städtischen Gebieten und arbeiten rund 70 Prozent der KinderarbeiterInnen im Agrarsektor (gefolgt von 20 Prozent im Dienstleistungssektor und 10 Prozent in der Industrie).

In Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung im Allgemeinen stellt Kinderarbeit einen starken Katalysator für Armut dar. Arbeitende Kinder sind körperlichen und psychischer Gesundheitsrisiken stärker ausgesetzt, was massive Auswirkungen auf das Gesundheitswesen eines Staates entfaltet. Zudem beeinträchtigt Kinderarbeit infolge mangelnden Schulbesuchs die Bildungs- und Zukunftschancen junger Menschen.

Nicht zuletzt findet Kinderarbeit nach wie vor hauptsächlich unter menschenunwürdigen, ausbeuterischen und lebensgefährlichen Bedingungen statt – von den grundrechtlichen Standards zur Erwerbsarbeit fehlt hier jede Spur. Laut ILO-Generaldirektor Guy Ryder stellen diese alarmierenden Zahlen und Fakten einen „internationalen Weckruf“ dar.

Dem Experten zufolge braucht es dringender denn je umfassende Interventionsmaßnahmen: gezielte Investitionen in die ländliche Entwicklung, in Bildungswesen und Kinderschutzsysteme sowie in öffentliche Dienstleistungen, Infrastruktur und Lebensgrundlagen speziell im ländlichen Raum, menschenwürdige Arbeit in der Agrarwirtschaft, das Schaffen von Rechtsgrundlagen gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen und existenzielle Not, sowie umfassende soziale Basisschutzmaßnahmen, die die Existenz armer Familien absichern und ihnen damit den Schulbesuch ihre Kinder trotz wirtschaftlicher Not ermöglichen.

160 Millionen Kinder der Welt in Kinderarbeit – wenn das kein Weckruf ist.

 

Weiterführende Links:

UNICEF-Report zum 12. Juni 2021

UNICEF-Unterrichtsmaterial zum Thema Kinderarbeit

ZDF-Report

 ZDF-Doku zu Kinderarbeit in der Landwirtschaft

Euronews-Doku über Kinderarbeit

 

 

Bild: pixabay

Text: Martina Weixler



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