Grünes Licht für die Zukunft! Nachlese zum Webinar I.

Expertinnen vermitteln in einem ARGE-Webinar die Zusammenhänge von Lebensmittel- und Textilproduktion und unserem täglichen Konsumverhalten mit Umwelt und Menschenrechten.

Wie sehen die Arbeitsbedingungen von Arbeiter/innen auf einer Orangenplantage aus? Wie viel Wasser wird durchschnittlich verbraucht, um ein Paar Jeans herzustellen? Wie viele Länder durchläuft ein handelsübliches Kleidungsstück im Laufe seiner Produktion? Und wieviel Prozent der jährlich weltweit hergestellten Kleidung landen auf dem Müll? Diese und ähnliche Fragen wurden im ersten Teil der ARGE-Webinarreihe „Grünes Licht für die Zukunft! Konsum. Macht. Umwelt“ in den virtuellen Raum geworfen, mit den rund 20 Teilnehmer/innen diskutiert und von den Referent/innen des Vereins für kritische Bildung „Kontra.Punkt“, Laura Bäumel und Laura Mayr, beantwortet. Fazit des Fachinputs: die Wechselwirkungen zwischen unserem täglichen Konsumverhalten, der Umwelt und den Menschenrechten sind hoch komplex und haben mitunter verheerende Auswirkungen auf Klima, Natur und Lebewesen, wie die entsprechenden Zahlen belegen. So sorgten bereits die Antworten auf die oben angeführten Fragen für Schrecken im Publikum, werden doch bei der Herstellung einer Jeans 10.000 – 15.000 Liter Wasser verbraucht, durchläuft ein handelsübliches Kleidungsstück durchschnittlich 8-12 Länder und landen 75 % der jährlich weltweit hergestellten Kleidung auf dem Müll. „Ein Hauptproblem ist, dass Lieferketten meist undurchsichtig sind“, so Laura Mayr in ihrem Fachinput. „Die OECD gibt zwar Richtlinien zu Lieferketten vor, deren Einhaltung ist jedoch freiwillig und wird oft nicht ernst genommen“. Eine vollständige Lösung dieser oder ähnlicher Probleme im Zusammenspiel von Produktion und Konsum mit Umweltschutz und Menschenrechten zu finden sei schwierig, die „eine richtige Lösung“ gäbe es schlichtweg nicht. Neben der Textilproduktion, die einen Hauptfaktor im Bereich der Umweltverschmutzung darstellt, spielt auch und vor allem der tägliche Konsum von Lebensmitteln eine bedeutende Rolle. „Doch gerade im Bereich des Lebensmittelkonsums gibt es zahlreiche individuelle und kollektive Handlungsspielräume“, ermutigt Laura Bäumel zu einem nachhaltigeren Lebensstil. „Allein in Graz haben wir so viele großartige nachhaltige Initiativen wie foodsharing, das Büro der Nachbarschaften oder das Gemüsekisterl“, so die Leiterin des Vereins „Kontra.Punkt“. Im Büro der Nachbarschaften, in dem aus übrig gebliebenen Lebensmitteln regelmäßig kostenlose vegetarische und vegane Buffets für die Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, kommen die Menschen zusammen – hier lebt neben dem Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch der Gemeinschaftssinn. Auch viele weitere Initiativen, die die Teilnehmer/innen im Rahmen der Diskussion begeistert aufzählten, erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit: der fairteiler als Teil der foodsharing-Initiative, die Initiative too good to go – übriggebliebenes Essen aus Restaurants und Bäckereien wird am Tagesende zu Niedrigpreisen verkauft – die solidarische Landwirtschaftskooperative (SoLaKo), an der man Landwirtschaftsanteile erwerben kann sowie die Initiativen „Graz verschenkt“, „share & care“ und „Kost Nix – Läden“, die second hand als Konzept für minimalen Konsum forcieren. Der grundlegende Tenor der Fachinputs wie auch der Diskussionen im Webinar: wir können etwas verändern! Wenngleich gesetzliche Rahmenbedingungen für faire Arbeitsbedingungen, nachhaltige Produktionsvorgaben, Menschenrechte und Umweltschutz in erster Linie von der Politik geschaffen und durchgesetzt werden müssen, so sind es auch und vor allem wir Konsument/innen, die Trendwenden bewirken und zu einer besseren Welt beitragen können: indem wir Bewusstsein schaffen und Werte vorleben, indem wir Rechte und Vorgaben aktiv einfordern und indem wir in unserem täglichen Handeln Nachhaltigkeit leben.

 

Die Referentinnen des Webinars

Laura Bäumel leitet den Verein für kritische Bildung „Kontra.Punkt“. Sie ist Mitarbeiterin des Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie in Graz und arbeitet im Bereich der Protest- und Bewegungsforschung. Ihr Fokus liegt auf globalen Machtstrukturen sowie auf menschenrechts-, demokratie- und umweltspezifischen Aspekten von Lebensmittelproduktion und Konsumverhalten.

 

Laura Mayr ist Lehrerin, Studentin der Angewandten Ethik sowie Mitglied des Vereins für kritische Bildung „Kontra.Punkt“. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf den menschenrechts- und umweltspezifischen Aspekten der Textil- und Modeproduktion.

 

Weiterführende Links

Zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit

Klimakrise und Bewusstseinswandel

 

Zum Thema Lebensmittelproduktion

Vortragsreihe vita activa

 

Zum Thema Modeindustrie

publiceye

Interview Orsola de Castro

Südwind

Wie aus dem Aralsee eine Salzwueste wurde

 

Zum Thema Klimawandel

https://www.youtube.com/watch?v=oJ1zm65u-ck

https://www.youtube.com/watch?v=bCvUwnIdqBI

 

Zu Initiativen

Gemüsekisterl

foodsharing

Büro der Nachbarschaften

Nachhaltig in Graz



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