„Menschenrechte und Demokratie spielerisch kennenlernen“

Nützliches Basiswissen und praktische Methoden zur Erarbeitung der Bedeutung von Menschenrechten und Demokratie für unser Alltagsleben in Schulprojekten und Unterricht.

„Demokratie heißt, die Wahl haben. Diktatur heißt, vor die Wahl gestellt sein“ – dieses prägnante Zitat der Schweizer Literatin Jeannine Luczak bringt eines der Kernelemente der Demokratie auf den Punkt: die Wahl haben, die Freiheit haben. Gerade für Jugendliche muten die Themen Menschenrechte und Demokratie oftmals sehr kompliziert und theoretisch, trocken und alltagsfremd an. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass ihr eigenes alltägliches Leben mit allem, was dieses lebenswert macht, ohne die Wahrung bestimmter Freiheitsrechte gar nicht möglich wäre. Man denke nur an das Recht, eine Ausbildung machen und später Geld verdienen zu dürfen (Recht auf Bildung, Recht auf Arbeit und fairen Lohn), an die Möglichkeit bei Krankheit eine Arztpraxis aufsuchen und eine leistbare Behandlung in Anspruch nehmen zu können (Recht auf Gesundheit). Man denke an die Freiheit, nach eigenem Belieben WhatsAppp-Nachrichten verschicken und mit Facebookpostings zu wichtigen Themen öffentlich Stellung beziehen zu dürfen (Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit). Man denke an das Recht, seinen eigenen Interessen nachgehen und sein Leben weitgehend frei und eigenständig gestalten zu können (Freiheitssphäre des Einzelnen, Recht auf Erholung und Freizeit, Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens etc.). Um Jugendlichen die große Bedeutung von Menschenrechten und Demokratie bezogen auf ihr alltägliches Leben auf verständliche Weise näher zu bringen, dürfen wir hiermit ein paar wissenswerte Kernthesen und praktische Methoden vorstellen.

 

Schüler/innen des BRG Leoben Neu gestalten im Rahmen des ARGE Jugend-Projektes „Menschenrechte und
Demokratie als gelebte Alltagskultur“ Tafeln und Bilder

 

3 wissenswerte Inputs – was wir über Menschenrechte und Demokratie wissen sollten

 

  1. Menschenrechte sind nicht selbstverständlich, sie werden jeden Tag auf´s neue mühevoll erkämpft!
  2. Menschenrechte und Demokratie sind keine theoretischen Konstrukte, sondern in unser aller Lebensalltag rund um die Uhr präsent – unser Handeln befüllt sie mit Leben!
  3. Jede/r von uns kann täglich einen Beitrag zur Wahrung von Menschenrechten und Demokratie leisten. Beispiele: ein gewaltfreies Klassenklima schaffen und erhalten, einen wertschätzenden Umgang mit unseren Mitmenschen pflegen, Konflikte lösen, die Umwelt schützen, damit wir gesund und unsere Erde lebenswert bleiben, Zivilcourage zeigen, Menschen respektieren, so wie sie sind, ein Bewusstsein für Vielfalt schaffen, Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden als Grundhaltungen leben.

 

Statements zu Menschenrechten auf selbst gestalteten Tafeln der Schüler/innen des BRG Leoben Neu

 

3 praktische Methoden – Menschenrechte und Demokratie spielerisch kennenlernen

 

Einstiegsfragen zur Beispielsammlung, Reflexion und Diskussion:

– Was ist gut daran, dass wir Menschenrechte und Demokratie haben?

Wie sieht ein Zustand aus, in dem Menschenrechte und Demokratie NICHT existieren?

 

A. Rollenspiel mit Diskussion „Einen Tag Chef/in sein“:

Die Jugendlichen schlüpfen in die Rolle eines Staatsoberhaupts (zB. von Österreich) und sammeln Ideen dazu, was sie in ihrem Staat einführen oder abschaffen und welche Regeln sie aufstellen wollen. Nach der Ideensammlung wird diskutiert. Häufiges Fazit: die Jugendlichen wollen in ihrem Staat Menschenrechte und Demokratie verankern und leben.

 

B. Rollenspiel mit Diskussion „Einen Tag Chef/in sein – internationale Menschenrechtsverhandlung“:

Auch in dieser Variante ist jede/r Schüler/in Staatsoberhaupt, jedoch nicht von ein- und demselben sondern von verschiedenen Staaten der Welt. Dabei vertritt ein Drittel der Schüler/innen ein Industrieland, ein Drittel ein Schwellenland und ein Drittel ein Entwicklungsland. Die Menschenrechte müssen nun im Einstimmigkeitsprinzip „verhandelt“ werden. Häufiges Fazit: es bleiben nur sehr wenige Menschenrechte übrig. Anhand dieser Methode erkennen die Jugendlichen, dass Menschenrechte keineswegs selbstverständlich sind, sondern hart erkämpft werden müssen. Dabei entstehen Betroffenheit und Dankbarkeit.

 

C. Fragebogen „Menschenrechte machen Schule“:

Jugendliche füllen einen Fragebogen aus, der das Klassenklima erhebt, wobei jeder Frage beziehungsweise Antwort ein Artikel der Europäischen Menschenrechtskonvention zugrunde liegt. Beispiel: „Wie sicher fühle ich mich in meiner Klasse?“ (Art. 5 EMRK, Recht auf Freiheit und Sicherheit). Anhand der Auswertung wird ersichtlich, welche Rolle Menschenrechte im Schulalltag spielen, wie sie gewahrt werden können und wo allenfalls Veränderungsbedarf besteht.

 

Roll-up-Ausstellung der Schüler/innen des BRG Bruck an der Mur zu Menschenrechten und Demokratie aus Sicht
der Jugend

 

Diese und weitere Inputs und Tools können Sie mit der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus im partizipativen Netzwerkprojekt für obersteirische Gemeinden „Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur“ sowie im Rahmen von Workshops der ARGE-Beratungsstelle kennenlernen und aktiv umsetzen. Zur Information und Beratung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung:

Martina Weixler, BSc, 0664/35 44 018, martina.weixler@argejugend.at



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