Eine mutige Stimme mit Herz ist verstummt! Nachruf auf unseren Freund Peter Scheibengraf (19.2.1947 bis 1.12.2020)

Wir trauern um unseren Gründer und Ehrenvorsitzenden der ARGE Jugend, um unseren Freund Peter Scheibengraf! Am 1.12.2020 verstarb unser lieber Peter nach langjähriger schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie. Peter war zeitlebens eine kantige Persönlichkeit mit Konturen und Nuancen, ein Mensch mit Rückgrat, mit einem gelebten Humanismus des Handelns. „Aufrechter Gang als Programm“ – so der Titel der anlässlich seines 60. Geburtstages im Jahre 2007 herausgegebenen Festschrift – bringt Peters Grundhaltung auf den Punkt. Im Meer des Verwechselbaren bleibt Peter bei seiner Familie, seinen Freunden und Wegbegleitern als ein Unverwechselbarer, ein echt Origineller, ein Solitär in Erinnerung.

Jahrmärkte der Eitelkeiten wirbelte er durch seinen Tacheles-Stil der freien Rede weithin hörbar auf. Der mitunter geharnischte Widerspruch „nach oben“, der zugleich wertschätzende Respekt „nach unten“ bildeten zwei Grundprinzipien seines Kommunikationsstils, wobei Peter hierarchische Einteilungen von Menschen im Spirit seines gelebten „all different, all equal“ zutiefst verabscheute. Peter holte arrogante Rolleninhaber mit spürbarer Leidenschaft von ihren hohen Rössern herab, zeigte ihnen Grenzen auf, scheute dabei keinen Konflikt, mit Vorliebe auch in aller Öffentlichkeit. Wir bewunderten Peter stets wegen seines unerschütterlichen Mutes, seiner furchtlosen Kritik an Machthabern, seines beharrlichen Engagements für visionäre Vorhaben in der Jugend- und Bildungsarbeit. Unsere respektvolle Wertschätzung gebührt ihm insbesondere für seinen solidarischen Einsatz für jene Menschen, die nicht zu den BewohnerInnen der Sonnen- und Schokoladenseiten des Lebens zählen, mit denen er auf Augenhöhe redete, ihnen zuhörte, sie als Teil der gesellschaftlichen Mitte – nicht von Rändern – begriff.

Als „unorthodoxer“, bisweilen aufmüpfiger Beamter setzte er im Landesjugendreferat Akzente und Meilensteine, die noch heute über Strahlkraft verfügen. Unsere ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, die Peter zusammen mit Stefan Perschler und Max Aufischer 1992 als ARGE Jugend gegen Gewalt, Rechtsextremismus und AusländerInnenfeindlichkeit – als Netzwerk und Projektplattform – gegründet und bis 1998 selbst geleitet hat, ist bis heute steiermarkweit in der Gewaltprävention und in der Demokratie- und Menschenrechtsbildung aktiv. Peter förderte zudem eine Reihe an damaligen JungunternehmerInnen, die über innovative Projekte ihre ersten Aufträge erhielten und großteils bis heute unser Menschenrechtsnetzwerk stärken.

Peter ließ sich nicht „auf vorgegebene Linien bringen“, nicht bevormunden, nicht in Kästchen erzwungener Konformität pressen oder sich vor irgendjemandes Karren spannen. Diejenigen in Politik, Verwaltung, Medien oder Politik, die ihn in Überschätzung ihrer Rolle mit Machtspielchen an die Kandare nehmen oder ihm einen Maulkorb verpassen wollten, erinnern sich bis heute schmerzlich an die wortgewaltigen Returns unseres Ehrenvorsitzenden. Die rhetorische Wucht von Peters Widerspruch führte meist dazu, dass gouvernantenhafte Bevormundung seitens seiner Widersacher fortan unterblieb. Die Identifikation mit Mainstream-Gerümpel, die Adoration von Konformismus, Speichelleckerei zu Karrierezwecken, sprachpolizeiliche political correctness, oder das Nachplappern von Stammbuch- und Binsenweisheiten widerten ihn spürbar an, generierten mitunter originelle geharnischte Reaktionen, die Anekdotenbücher füllen könnten.

Wie alle markanten Persönlichkeiten mit einem profilierten Charakter, der auf gelebten Werten und auf konkreten Taten statt auf Wortgeklingel gründet, der mit dem Mut zum freien Wort, zum Widerspruch bei jeder Gelegenheit ausgestattet ist, polarisierte Peter wie kaum jemand, den ich kenne. Bei willfährigen Kammerdienern, Unterläufeln und Bütteln der Mächtigen verbreiteten Peters unvergessen kantige Auftritte mitunter Angst und Schrecken, da man ihn weder mit Zuckerbrot, noch mit Peitsche, Erpressung oder Sanktionsdrohungen gefügig machen, sondern nur mit Respekt, Augenhöhe und guten Argumenten überzeugen konnte.

Die feinsinnigen Nuancen seiner Persönlichkeit zeigte Peter nur seinen engsten Freunden: vom genauen Zuhören, Nachfragen und Mitdenken über seinen eleganten Kleidungsstil, dem Schach- und Tarockspiel, der fundierten Zeitungslektüre bis zum unnachahmlichen Genuss seiner Zigarillos bei einer Tasse Kaffee, immer zuckersüß, zeigte Peter stets neue, zunächst verborgene Züge seiner im besten Wortsinne schillernden Persönlichkeit.

Peter liebte und schätzte seine drei wunderbaren Töchter, die tüchtigen Schwiegersöhne und seine Enkerl über alles. Er erzählte stundenlang – ohne zu langweilen – abenteuerreiche, meist heitere und humorvolle Anekdoten über gemeinsame Erlebnisse, über Einsichten und Erkenntnisse, die er aus Gesprächen, Spielen und Begegnungen mit den Kindern und Enkerln erfahren durfte. Peter konnte auf die Unterstützung seiner engsten Familie gerade in den Jahren seiner schweren Erkrankung immer zählen, wovon er mir oft mit leuchtenden Augen und einem feinen Gefühl von Geborgenheit und spürbarer Rührung erzählte.

Wir können uns nicht vorstellen, dass Peter nicht mehr in unserer Mitte ist, dass wir seine klugen und trefflichen Worte bei unseren Vorstandssitzungen, in geselliger Runde oder bei einem Spaziergang in der Natur nicht mehr hören können, dass wir über seinen Humor nicht mehr lauthals mit ihm lachen werden. Ich bin mir jedoch sicher, dass die nur kursorisch skizzierten Charakterzüge unseres mutigen, aufrechten, widerständischen, humorvollen und zugleich feinsinnigen Freundes Peter eine Heimstatt im Herzen und Handeln bei all jenen Freunden und Wegbegleitern haben werden, die mit Peter eine längere Zeit zusammengearbeitet, ihn geschätzt, verehrt oder geliebt haben. Wir trauern gemeinsam mit Peters Familie! Unvergessener Freund Peter! Dein Christian Ehetreiber



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