Black Lives Matter: Der Todesfall George Floyd und seine Auswirkungen

Der Todesfall George Floyd letzten Montag, den 25. Mai 2020, erschütterte Menschen auf der ganzen Welt. In zahlreichen Städten der USA, Europas, Australiens und Neuseelands geht die Bevölkerung auf die Straße und verlangt Gerechtigkeit für George Floyd und darüber hinaus für Millionen weitere Menschen. Der Fall führt zu so großem Protest, da zum einen ein Mensch trotz Hilferufe Todesopfer von Polizeigewalt wurde. Zum anderen belebt der Todesfall eine viel größere Debatte – nämlich die der exzessiven Staatsgewalt gegen AfroamerikanerInnen und die der Gleichbehandlung von ‘Dunkelhäutigen‘ und ‘Weißen‘: Black lives matter (Schwarze Leben zählen).

Der Todesfall George Floyd

Am Montag, dem 25. Mai 2020, wurde der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis, Minnesota in den USA unbewaffnet festgenommen. Zur Festnahme kam es wegen einer gefälschten 20-Dollar-Banknote mit der George Floyd laut Polizeibericht in einem Shop bezahlt hatte. Als der Afroamerikaner bereits Handschellen trug und mit dem Gesicht nach unten am Boden lag, drückte ihm der weiße Polizist Derek Chauvin minutenlang sein Knie auf den Nacken. George Floyd sagte mehrmals, er könne nicht atmen und flehte, der Polizist solle aufhören. Nach ungefähr sechs Minuten war Floyd nicht mehr ansprechbar. Wie in Videos von PassantInnen zu sehen ist, wiesen ZuschauerInnen die Polizisten darauf hin, dass Floyd sich nicht mehr bewegt und drängten sie, Floyds Puls zu kontrollieren. Doch auch nachdem ein Polizist sagte, er fühle keinen Puls, nahm Chauvin sein Knie nicht von Floyds Nacken. Nach 8 Minuten und 46 Sekunden entfernte Chauvin sein Knie von Floyd. Der reglose George Floyd wurde von einem Rettungswagen ins Krankenhaus geführt, wo er eine Stunde später als tot erklärt wurde.

Seit dem Vorfall gingen tausende Menschen weltweit auf die Straße und demonstrierten im Namen der „Black Lives Matter“-Bewegung.

 

Black Lives Matter-Bewegung

Hinter dem tragischen Todesfall von George Floyd steht eine noch viel größere Debatte, nämlich jene des Rassismus und der systemischen Gewalt gegenüber Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Fälle willkürlicher (Staats-)Gewalt sowie Diskriminierung gegenüber AfroamerikanerInnen haben in den USA eine lange Geschichte. Im Jahr 2013 gründeten die drei Afroamerikanerinnen Alicia Garza, Patrisse Cullors und Opal Tometi deshalb die Bewegung „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen). Auslöser dafür war der Freispruch von George Zimmerman, der den 17-jährigen afroamerikanischen Schüler Trayvon Martin erschoss.

Mittlerweile hat die Black Lives Matter Organisation 40 internationale Zweigstellen. Unter anderem setzt sich die Bewegung gegen die systematische und vorsätzliche Diskriminierung von AfroamerikanerInnen ein, bekräftigt die Menschlichkeit von Personen dunkler Hautfarbe sowie deren gesellschaftliche Beiträge und deren Widerstandsfähigkeit gegen Unterdrückung.

Die Auswirkungen der Antirassismus-Proteste

Seit dem Todesfall protestieren Menschen USA- und weltweit für ein gerechteres Exekutiv- und Justizsystem und fordern, dass der Rassismus gegen Dunkelhäutige ein Ende nimmt. Immer mehr PolizeibeamtInnen, BürgermeisterInnen, Oppositions-PolitikerInnen sowie MinisterInnen verlautbaren ihre Betroffenheit und Unterstützung. Wie der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio auf Twitter veröffentlichte:

„Struktureller Rassismus verfolgt die Leben von farbigen Menschen. Was wir hier sehen ist ein Überlauf aufgrund von Jahrzehnten der Ungerechtigkeit. Ich sehe mein eigenes Privileg und kann die Situation nur bedingt nachvollziehen. Ich weiß aber genug, um zu sagen, dass für die schwarze Community jeder Tag von Rassismus erfüllt ist. Wir werden es besser machen.“

Auch PolizeibeamtInnen landesweit legen vermehrt ihre Waffen nieder, entschuldigen sich im Namen aller PolizistInnen und distanzieren sich von der Handhabe der Kollegen, die in den Fall George Floyd involviert waren. Am Montagabend schloss sich das ranghöchste uniformierte Mitglied des New York Police Departments, NYPD Chief Terence Monahan, den New Yorker DemonstrantInnen an, nahm sie bei der Hand und ging mit ihnen auf die Knie. Doch während sich große Teile der Bevölkerung, StaatsbeamtInnen und ranghoher PolitikerInnen zusammenschließen und für gemeinsame Sache kämpfen, will Präsident Donald Trump die Proteste radikal unterbinden und drohte am Montag sogar damit, das Militär gegen die DemonstrantInnen einzusetzen.

 

Das Nutzen des Momentums

Die US-amerikanische Bevölkerung geht im Kampf um Gleichberechtigung Großteils friedlich auf die Straßen und die Regierenden veranlassen tausende Verhaftungen. Die Frage, die auftaucht, ist: Wo bleibt hier die Führung im Namen des US-amerikanischen Volkes? Rassismus und Polizeiwillkür gegen AfroamerikanerInnen ist seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, ein offensichtliches Problem in den USA und vielen anderen Ländern der Welt. Es ist schlimm genug, dass ein weiterer Mensch auf brutale Weise sterben musste, damit der permanent ignorierte Rassismus endlich so eine Reichweite bekommt und so laut ausgesprochen wird, dass es unumgänglich wird, sich damit auseinanderzusetzen. Nun soll dieses Momentum aber auch genutzt werden. Wenn so bedeutende Teile des eigenen Volkes und sogar der eigenen Regierung sich zusammenschließen und ein Ziel verfolgen, ist es die Aufgabe einer demokratischen Regierung, das wahrzuhaben, darauf einzugehen und zu handeln – aber im Namen der Bevölkerung und nicht gegen die eigene Bevölkerung. AfroamerikanerInnen sind ein vollwertiger Teil der US-amerikanischen Bevölkerung und es ist an der Zeit, ihnen die Gleichberechtigung zu verschaffen, die sie verdienen. Dieser Appell macht aber nicht an der US-amerikanischen Grenze halt: Die in den USA ausgelöste Debatte über Rassismus kann als eine Debatte über Diskriminierung gegenüber Menschen mit einer anderen Hautfarbe oder Herkunft in verschiedenen Ländern der Welt gesehen werden – Österreich nicht ausgenommen. Es gibt viel zu tun. Hoffentlich wird dieser tragische Vorfall als ein weiteres Wachrütteln und ein Impuls zur positiven Veränderung wahrgenommen.

 

Artikel verfasst von: Verena Ulrich

 

Weiterführende Links für Interessierte:

 

BBC-Bericht der Festnahme George Floyds: https://www.bbc.com/news/world-us-canada-52861726

 

Black Lives Matter-Bewegung: https://blacklivesmatter.com/

 

Video des NYPD Chiefs Terence Monahan mit DemonstrantInnen: https://www.youtube.com/watch?v=UWnzUTjGCoQ

 

Focus-Artikel mit Videos über Polizisten, die sich DemonstrantInnen anschließen: https://www.focus.de/politik/ausland/darum-nahm-er-seinen-helm-ab-jetzt-spricht-polizist-chris-swanson-ueber-bewegende-szene-in-michigan_id_12057856.html

 

Süddeutsche Zeitung: Obama ermuntert Protestierende: https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-proteste-news-floyd-1.4923224



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