Aus der Region, mit der Region und für die Region wirtschaften!

Beiträge zur Vernunft, Besonnenheit und Solidarität XII

Wir kaufen seit 1998 bei der steirischen Regionalwirtschaft!

„Aus der Region, mit der Region und für die Region wirtschaften!“ Dieses Motto lebe ich als Geschäftsführer der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus wie auch als Privatperson seit der Gründung unserer Fachstelle im Jahre 1998. Wir kaufen nahezu alle unserer Produkte, Güter und Dienstleistungen aus der steirischen Regionalwirtschaft: vom Büromaterial über Fachliteratur, geringwertige Güter, Verpflegung bis zu sämtlichen Materialien für unsere vielseitige Projektarbeit. Wir definieren uns nämlich als BürgerInnen und KonsumentInnen der Steiermark, Österreichs und der Europäischen Union. Wir sind keine Bewohner von AMAZONien, ZALANDOSTAN, GEIZHALSien & Co. Wie oft wurde ich für die konsequent regionalwirtschaftliche Ausrichtung unseres unternehmerischen Handelns kritisiert und belächelt? Man bekomme die Produkte im Onlinehandel viel billiger, viel schneller und könne das Bestellte immer wieder zurücksenden. Überdies könne man sich vom heimischen Fachhandel kostenlos beraten lassen und dann über die globalen Online-Riesen bestellen. Ein besonders fieser Beratungsdiebstahl, der längst gängige Praxis geworden ist!

Die Rhetorik vieler Weltverbesserer bildet sich nicht in deren Konsumverhalten ab!

Wieviele NGO-GeschäftsführerInnen und Vorstände lernte ich kennen, die ihre Publikationen flugs in Ungarn, Slowenien oder Kroatien drucken ließen, obwohl wir in der Steiermark qualitätsvolle und preisgünstige Druckereien haben? Wieviele SteirerInnen fahren in die Nachbarstaaten zur Zahnsanierung, beauftragen die steuer- und beitragsflüchtige Firma „Black is Black“ für Hausbau und Eigenheimsanierung? Wieviele KonsumentInnen freuen sich schon jetzt auf die medial vorhergesagte „Preisschlacht wegen COVID 19“? Motto: Darf´s noch a bisserl billiger sein? Dieselben KollegInnen leben mit Inbrunst und Hingabe die Devise vom geilen Geiz, labern dann jedoch mit gespaltener Zunge von „Grundrechten, Freiheitsrechten, Solidarität und einer Wirtschaft der Ausbeutung“, zu der sie mit ihrer Mentalität der Pfennigfuchserei und Erbsenzählerei tagtäglich aktiv beitragen. „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen,“ heißt es zu diesem seinsvergessenen, reflexionsbefreiten Konsum- und Verbraucherverhalten im Neuen Testament (Matthäus 7, 16). Mit dem weisen Soziologen Hans Georg Zilian (1945 bis 2005) sei diesen Preisdrückern ins Stammbuch geschrieben, dass die Schnäppchen- und Rabattjäger zu einer Welt beitragen, die von allem den Preis, jedoch von nichts mehr den Wert erkennt. Sie bringen auch nicht mehr jene Verstandesleistung zustande, dass die Superbestpreisangebote, die sie in der Freizeit erwerben mit immer härteren Produktionsbedingungen im Akkordbetrieb bezahlt werden. Die Schnäppchenjäger und Rabattsammler zeigen sich mit Krokodilstränen echauffiert, dass sich der von ihnen angeheizte Produktions- und Preisdruck immer mehr steigert und die Gesundheit vieler Arbeiter, Angestellter und Unternehmer der Realwirtschaft beschädigt. Die Verlagerung der Produktion, von dringend benötigten Arbeitsplätzen unserer Region in Billiglohnländer, die Vermehrung des Transportwahnsinns durch Online-Bestellungen mit x-facher Retournierung, die aktive Förderung von Steuer- und Beitragsflucht vieler Online-Konzerne und die Entlohnung der dort tätigen Menschen zu Schandlöhnen, all das haben die BürgerInnen von ZALANDOstan, AMAZONien und GEIZHALSien mitzuverantworten. Die von einer Überdosis Marxismus sozialisierten Weltverbesserer wollen von einer individuellen und gemeinschaftlichen Verantwortung via Konsumverhalten freilich nichts hören. Sie bleiben lieber beim gebetsmühlenartigen Hinweis auf „die herrschende Klasse“ und bei persönlicher Handlungshemmung im Alltag.

Unsere Reihe „Konsum. Macht. Menschenrechte“ eröffnet Handlungsspielräume

Unser langjähriger Wegbegleiter und Freund Hans Putzer inspirierte uns mit seinen Büchern „Essen macht Politik“ und „Hungerkriege“ vor einigen Jahren dazu, die individuellen und gemeinschaftlichen Handlungsspielräume unseres Konsum- und Verbraucherverhaltens auszuloten und nutzbar zu machen. Wir entwickelten mit Hans Putzer die Reihe „Konsum. Macht. Menschenrechte“, in der wir die Zusammenhänge zwischen unserem Konsumverhalten und der nachhaltigen Entwicklung, Ressourcenschonung, Klima- und Umweltschutz, der Gesundheit und der sozialen Gerechtigkeit praxisbezogen herausarbeiten. Mit großer Freude dürfen wir festhalten, dass diese Veranstaltungen von einer zunehmend umwelt- und klimaschutzsensiblen Jugend wie auch von kritischen Erwachsenen sehr gut angenommen werden. Gerade in der zu erwartenden Vertiefung der Wirtschaftskrise sollten wir als kritische KonsumentInnen verstärkt auf Produkte und Leistungen unserer Regionalwirtschaft setzen. Die Urlaubsreise in Österreich gehört ebenso dazu wie der Kauf der qualitätsvollen landwirtschaftlichen Produkte der Steiermark, der Erwerb von Waren beim Händler um´s Eck ebenso wie der Besuch der vielen engagierten Kultureinrichtungen unserer Region.

Regionalwirtschaft braucht internationalen Freihandel!

Mein heutiger Kommentar darf freilich nicht als Plädoyer für ausschließlich regionales Wirtschaften missverstanden werden. Dies führte nämlich alsbald in hinterwäldlerische Sackgassen durch Zerstörung eines sinnvollen internationalen Freihandels. Selbstverständlich sollten wir vor allem jene Güter im EU-Raum kaufen, die es bei uns nicht gibt oder die wir für unsere Lebensqualität als wertvoll erachten. Noch wichtiger ist es, dass wir beim Import aus Entwicklungsländern auf Label wie „fair trade“ achten und einen fairen Preis entrichten. Vor allem sollten wir bei unseren politischen Verantwortlichen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene immer wieder die Streichung von Exportförderungen für Agrarprodukte in die Armutsregionen unserer Erde einfordern, da diese Förderungen die Landwirtschaft vor Ort ruinieren.

Krisen können zum Nach- und Umdenken führen

In in der aktuellen Krise sollten wir uns als kritische KonsumentInnen verstehen und Produkte der Regionalwirtschaft verstärkt in den Warenkorb legen oder als Dienstleistungen nutzen. Wir freuen uns abschließend, dass auch die WKO Steiermark den Aspekt der stärkeren Nutzung der Regionalwirtschaft gerade in der COVID-19-Krise durch die Kampagne „regional einkaufen“ unterstützt. Schreibt uns bitte eure Meinungen und Argumente zu diesem Thema! Besonders freuen wir uns über Euer Best-Practice der verstärkten Nutzung der steirischen und österreichischen Regionalwirtschaft wie auch für einen fairen Welthandel. Ich freue mich auf eure Kommentare! Christian Ehetreiber

 

Links und Literatur:

Unsere Reihe „Konsum. Macht. Menschenrechte“ kann bei uns in Form maßschneiderbarer Rufseminare gebucht werden. Kontakt: Martina Weixler, 0664/354 4018

 

Link zur Online-Plattform der österreichischen Post-AG: „Unser Ziel ist es, zusammen mit Ihnen und unseren Händlern, den Online-Handel rot-weiß-rot mitzugestalten.“

https://www.shoepping.at/

 

Plattform regional einkaufen der WKO: Hier finden sich Plattformen für regionalen Einkauf!

https://www.wko.at/service/eintragen-plattform-regional-einkaufen.html

 

Hans Putzer: Essen macht Politik: Tägliche Entscheidungen mit großen Folgen. Graz: Leykam 2006.

 

Hans Putzer: Hungerkriege. Das Schicksal unserer Kinder. Graz: Leykam 2010.



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