Der Kampf gegen das Vergessen

Grazer Jugend gedenkt der Opfer der „Fliegerlynchjustiz“

 von Anna Maria Bartens

„Hier wurden von Nazifaschisten am 4. März 1945 drei wehrlose amerikanische Piloten feige ermordet.

At this place on March 1945 three defenseless American pilots became victims of cowardly Nazi-fascist murderers.”

 Diese Inschrift befindet sich auf einem großen grauen Stein, der halb im Gestrüpp neben der Kärntnerstraße in Straßgang steht. Wenn man genau hinschaut, kann man ihn beim Vorbeifahren erkennen.

Der Stein soll an drei amerikanische Piloten erinnern, die hier vor bald 72 Jahren ermordet wurden, nachdem sie notgedrungenermaßen aus ihrem Bomber gesprungen waren. Tatsächlich wurden dort allerdings nicht drei, sondern vier Flieger umgebracht, zwei weitere aus derselben Crew gelten immer noch als vermisst.

Erste bekannte Gedenktafel für die Fliegerlynchjustiz

Dieser Gedenkstein, der heute so unauffällig neben der Fahrbahn steht, hat schon eine lange Geschichte. Er war bereits kurz nach dem Krieg, bevor die britischen Truppen nach Graz kamen, aufgestellt worden, was für Verwirrung gesorgt hatte – schließlich hatte es so kurze Zeit nach den Ereignissen noch kaum die Möglichkeit für eine Aufarbeitung des Vorfalls gegeben, und plötzlich stand dort nun eine Gedenktafel. Noch dazu die erste überhaupt bekannte Gedenktafel für die Opfer der sogenannten „Fliegerlynchjustiz“.

Seit damals ist der Stein mehrmals beschädigt und geschändet worden, bis er dann 1988 renoviert wurde, wobei vor allem an den englischen Formulierungen Korrekturen vorgenommen wurden: „Here on this place killed a Nazifacist three amerikan pilots“, hatte nämlich ursprünglich die englische Version gelautet.

Der Straßganger Gedenkstein hat schon immer für heftige Diskussionen gesorgt, lieber hätte man die Vorfälle totgeschwiegen, was vielleicht der Grund dafür ist, dass wir, die heutige Jugend, praktisch nichts von diesem und all den anderen Fliegermorden in Österreich wissen. Es ist leichter, kollektiv des Holocaust zu gedenken, weil dabei angeblich ja immer nur „Anweisungen befolgt wurden“. Zu erklären, dass Zivilisten vier eben notgelandete Piloten ermordet und danach eine sogenannte „Siegesfeier“ veranstaltet haben, obwohl sie die Piloten einfach als Kriegsgefangene hätten festnehmen können, wirft schon mehr Probleme auf.

Schüler_innen interviewen Zeitzeug_innen und gestalten das Denkmal neu

Trotz des mangelnden Verständnisses seitens der Bevölkerung weigerten sich die beiden Grazer Historiker Nicole-Melanie Goll und Georg Hoffmann, all diese Vorfälle von Fliegerlynchjustiz in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie stellten gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des KLEX (Klusemann Extern) eine Ausstellung zusammen, die vor allem Gespräche mit Zeitzeugen, welche die Schüler geführt hatten, zeigte. Die Ausstellung ist von 6. bis 22. Dezember 2016 in der Grazer Stadtbibliothek zu sehen gewesen.

Zusätzlich sind die Historiker mit dem Klassenvorstand der 7a des BG/BRG Kirchengasse, Georg Marschnig, in Kontakt getreten, woraufhin die Schüler/innen einen Entwurf für ein neues, aussagekräftigeres Denkmal für die ermordeten Flieger in Straßgang angefertigt haben. Das neue Denkmal sollte weder unauffällig noch unpersönlich sein, sondern herausstechen und vor allem sofort in die Thematik einführen und zum Nachdenken anregen.

BIG – Veranstaltung zum Bombenkrieg in Graz am 06.03.2017

Im Rahmen einer Veranstaltung am 6. März 2017 werden die Konzepte präsentiert werden. Im Laufe der drei Stunden von 14 bis 17 Uhr wird nicht nur der Gedenkort besucht und das Projekt vorgestellt werden, sondern auch eine Podiumsdiskussion abgehalten, bei der unter anderem die Historikerin Heidemarie Uhl, Peter Piffl-Percevic für den Gemeinderat und der Filmemacher Marcus J. Carney mitdiskutieren werden. Die Moderation wird der bekannte Historiker Helmut Konrad übernehmen.

Sollte der Umsetzung des neuen Denkmals zugestimmt werden, so wäre das wohl der perfekte Zeitpunkt, um es der Landkarte des ARGE-Gedenkprojekts: „Gedenklandschaft – die andere Steiermark“ hinzuzufügen und damit die Erinnerung an diesen dunklen Punkt unserer Geschichte fix im historischen Bewusstsein der Steiermark zu verankern.

Der Link zur „Gedenklandschaft“: http://www.generationendialog-steiermark.at/gedenkorte/

Quellen:

Georg Hoffmann, Verdrängte Erinnerung. Aufarbeitung und gesellschaftlicher Umgang mit dem Gewaltphänomen der „Fliegerlynchjustiz“ im Kontext des alliierten Bombenkrieges, in: Günther Riederer (Hg.), Luftkrieg und Heimatfront. Ein vergessener Fliegerlynchmord in der „Stadt des Kdf-Wagens“, Wolfsburg 2016, S. 76–87.

https://www.kleinezeitung.at/steiermark/damals/5153052/1945-in-Graz_Die-Strassganger-Lynchjustiz

 

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Anna Bartens, geboren am 10. Juni 2000, besucht zur Zeit die 7. Klasse des
BG/BRG Kirchengasse. Sie spielt schon das sechste Jahr im TaO (Theater am
Ortweinplatz) und war bei der 4. Steirischen Jugendstudie dabei.



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