Weggehen und Ankommen – Teil 2

Ankommen_Weggehen_I

Markes und seine Mutter Tereza können nun ein sicheres, glückliches Leben in Graz führen

Flucht aus der Ehehölle

Tereza* kommt aus Tschetschenien.
Tereza  ist Mutter.
Tereza kann nicht nach Hause.
Tereza ist jetzt in Graz zu Hause.

Tereza begrüßt mich bei jedem Dienst mit einem strahlendem Lächeln und verschwindet dann sofort wieder. Nur um dann kurze Zeit später mit den besten Leckereien aus ihrer Heimat vor mir zu stehen. Ein Interview mit ihr zu führen, war eigentlich gar nicht mehr notwendig, immer wieder suchte sie das Gespräch, um von all dem zu erzählen, was sie bis jetzt erlebt hatte. Doch auch sie war sofort dazu bereit, im Interview die schmerzhaften Erinnerungen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Was mit Liebe begann…

Es lässt sich sagen, dass Tereza bis zu ihrer Hochzeit ein einigermaßen schönes Leben hatte. Sie besuchte eine Schule und vollendete ihre Ausbildung sogar an einer Hochschule. Während ihrer Arbeit in einer staatlichen Einrichtung lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, den sie dann mit 29 Jahren heiratete. Erst nach der Hochzeit jedoch lernte Tereza ihren Mann wirklich kennen. Als hoher Befehlshaber* beim russischen Militär und zusätzlich noch drogenabhängig, scheute er vor körperlicher Gewalt nicht zurück und machte aus seinem Missfallen oft kein Geheimnis.
Als Tereza dann ein Kind erwartete, welches von ihm auf keinen Fall gewollt wurde, nahmen die Übergriffe zu.

Drei Jahre nach Markes* Geburt wollte Tereza ihrer Ehe entfliehen und gemeinsam mit ihrem Sohn Tschetschenien verlassen. Als ihr Ehemann davon erfuhr, “entführte” er Markes und verweigerte Tereza mehrere Monate ihr eigenes Kind zu sehen.

… endete im Alptraum

Durch viele glückliche Zufälle bekam Tereza ihr Kind zurück, was sie nicht zuletzt ihrem Bruder zu verdanken hatte. Unmittelbar danach flüchtete sie aus ihrer Heimat. Über Moskau, Weißrussland und Polen kam sie dann schließlich in Österreich an. Vier Jahre blieb sie nun hier. In Traiskirchen und auch in Graz. Jedoch ließ ihr die Heimat keine Ruhe, und so beschloss sie, ein letztes Mal zurückzukehren.

Dort erwartete sie wahrlich die Hölle auf Erden. Ihr hasserfüllter Ehemann drohte ihr und Markes und missbrauchte seine militärische Position, um ihr einen Neuanfang unmöglich zu machen. Ihr Bruder stand ihr jedoch stets zu Seite und versuchte sie auch bei ihrer Scheidung zu unterstützen. Diese Unterstützung sollte er schlussendlich mit seinem Leben bezahlen, welches ihm Terezas Ehemann nahm.

Ohne sich noch einmal umzudrehen verließ Tereza nach diesem Vorfall Tschetschenien für immer. Mit neuem Namen und endlich geschieden leben Mutter und Sohn nun in Graz. Lediglich Videos auf Youtube oder Fotos auf Instagram kennt Markes von seinem Vater. Relikte, die ihn trotz weniger Erinnerungen einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen.

Neubeginn in Österreich mit Hoffnungen

Bewundernswert ist, dass Tereza nie ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit verloren hat. Auch sie habe ich gefragt, wo sie sich und ihren Markes in 10 Jahren sieht. Für Markes erhofft sie sich eine gute Ausbildung und im Jahr 2026 vielleicht auch schon ein Studium. Für sich selbst wünscht sie sich, vorerst einmal anzukommen und Ruhe zu finden. Und Arbeit, am liebsten als Köchin, denn das Kochen liegt ihr nun wirklich.

Tereza und ihr Sohn Marek sind Flüchtlinge. Bestimmt nicht solche, die dem stereotypen Bild der Medien gerecht werden. Sie mussten ihre Heimat verlassen und haben eine neue in Österreich gefunden.
Solltest du Lust haben, ihnen und vielen anderen zu helfen, bei uns anzukommen, dann kannst du dich hier informieren:

https://www.caritas-steiermark.at/aktuell/soziale-brennpunkte/hilfe-fuer-fluechtlinge/

http://dariadaria.com/2015/08/fluechtlingenhelfen.html

https://www.gruene.at/helfen

*Die Namen und genauen Berufsbezeichnungen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Judith Waltl
Mein Name ist Judith Waltl, und ich bin 19. Jahre alt. Ich  bin am 26.12.1996 geboren und bin momentan Maturantin an der HLW Sozialmanagement. Ich arbeite als hauptamtliche Mitarbeiterin in einem Frauenflüchtlingsquartier der Caritas Steiermark und bin in der Regionalflüchtlingsbetreung tätig. Ich bin begeisterte Weltenbummlerin und fühle mich überall schnell Zuhause. Deshalb ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, den vielen hilfesuchenden Menschen ein neues Zuhause zu geben.



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