Zeig mir deins, ich zeig dir meins!

Erwachsene sehen es als die neue große Gefahr, Jugendliche betrachten es als cool und aufregend. Es ist in aller Munde und wird von viel zu vielen „gesehen“, das SEXTING!

Sexting  ist ein Begriff, der sich aus  „Sex“ und „Texting“ zusammensetzt. Es beschreibt den neuen Hype ums Fotografieren von intimen Körperteilen und das Versenden dieser Bilder per Handy oder über soziale Plattformen. Man hört immer wieder von solchen Begebenheiten, die keineswegs als unglaubwürdig abgetan werden sollten. Diese Vorfälle gibt es tatsächlich, selbst in steirischen Schulen, wie wir in letzter Zeit immer wieder erfahren mussten. Dieses Phänomen betrifft insbesondere junge Mädchen. Diese fotografieren sich nackt und schicken die Fotos ihrem Freund, ihrer großen Liebe, dem sie, wie soll es mit 13/14 Jahren anders sein, voll vertrauen. Spätestens nach der Trennung kennen alle seine Kumpels die Fotos, es wird darüber getuschelt und im schlimmsten Fall finden sich die Bilder auf sozialen Plattformen wieder. Burschen und Mädchen verbreiten Fotos von sich auch deshalb, um auf sich aufmerksam zu machen, um Mut zu beweisen und/oder sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Der naive Wunsch, dazuzugehören, führt aber allzu oft dazu, dass die vermeintlich Mutigen zu Opfern werden. Sie werden gehänselt, ausgelacht oder gar ausgeschlossen. Die Fotos werden online kommentiert und verbreitet. (Der jüngste uns bekannte Fall betraf ein 11-jähriges Mädchen.)

 In der Entwicklung und beim Erwachsenwerden werden Grenzen ausgetestet, das war schon immer so und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Anders geworden sind allerdings die Formen dieses Austestens. Durch soziale Plattformen können kleine „Ausrutscher“ schnell verbreitet werden, deren Auswirkungen können sehr stark variieren. Im besten Fall werden diverse Postings als unwichtig abgetan, im schlimmsten Fall kann die Situation weiter aufgebauscht werden und bei den Betroffenen bis zu einem „Imageverlust“ führen.

Was tun (präventiv)?
Erwachsene sollten offen mit diesem Thema umgehen und mit Jugendlichen so früh wie möglich über ihren Körper und die eigenen Grenzen sprechen. Da dies gerade zwischen Eltern und ihren Kindern oft ein unangenehmes Thema, wenn nicht gar ein Tabu darstellt, können auch andere Personen wie NachbarInnen, PatInnen, Verwandte – vielleicht auch Großeltern als GesprächspartnerInnen und Vertrauenspersonen herangezogen werden.
Der Wert von Privatem und Geheimen sowie deren Grenzen sollte immer wieder betont werden, jedoch auf subtile Art und Weise. Es erfordert Fingerspitzengefühl, solche Inhalte auf den Tisch zu bringen.
Erwachsene sollten sich ihrer Vorbildwirkung bewusst sein und ihr eigenes Medienverhalten beobachten und reflektieren. Wenn man selbst freizügig mit seinen Fotos umgeht, so sinkt auch bei den eigenen Kindern möglicherweise die Hemmschwelle dafür, was sie von sich einer breiten Öfffentlichkeit zeigen und was nicht.
Jugendliche sollten unbedingt darüber aufgeklärt werden, welche weitreichenden Folgen Aktionen wie Sexting mit sich ziehen können. Darüber sollte sehr offen gesprochen werden, beispielsweise, indem Beispiele aus dem Internet (Youtube-Videos von solchen Vorfällen) gemeinsam angeschaut und diskutiert werden.

Wie reagieren (im Ernstfall)?
Sollten schon Bilder im Umlauf sein, so können Fotos von diversen Seiten entfernt werden. Dazu  können die Plattformbetreiber informiert werden, die diese Bilder dann auch zumeist umgehend löschen. Dennoch gibt es leider nie eine Garantie, dass die Fotos gar nicht mehr existieren.
Eltern/LehrerInnen/Vertrauenspersonen sollten nicht vorwurfsvoll reagieren, sondern der/m Betroffenen zeigen, dass trotzdem jemand hinter ihm/ihr steht.
Vorfälle in Schulklassen sollten vertraulich in einem gemeinsamen Gespräch behandelt werden. Gemeinsam über die Situation zu sprechen, die Person wieder zu integrieren, aufzubauen und Strategien zu entwickeln, dass so etwas nicht mehr passiert, führen dazu, dass das Thema nicht offen im Raum stehen bleibt und ein Bewusstsein für die Folgen von Sexting geschaffen wird. So können weitere Vorfälle, auch außerhalb dieses Umfeldes, vermieden werden.

Pro Juventute hat nun eine Kampagne gegen dieses Phänomen gestartet: „Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst.“ Auf der Homepage findet man neben einem Aufklärungskurzfilm, auch nützliche Informationen über das Thema  und wie man sich selbst und sein Umfeld schützen kann. Außerdem gibt es einen kostenlosen Cyber-Risiko-Check für sein persönliches Online-Profil. Testen Sie gleich selbst!

Sollten Sie zu diesem Themengebiet in Ihrer Schule, Klasse, Jugendeinrichtung, etc. arbeiten wollen, bieten wir passgenaue Workshops an. Gerne beraten wir Sie auch rund um das Thema Sexting, unabhängig davon, ob Sie präventiv vorgehen möchten oder nach Informationen/Interventionsmöglichkeiten suchen. Bitte kontakieren Sie dazu die ARGE-Beratungsstelle: bruck@argejugend.at oder 03862/57 380 13.

 B.Re.



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