Train your Brain! Gehirngerechtes Lernen – wie können wir die Erkenntnisse der Neurowissenschaften in den Schulalltag integrieren?

In der Schule heißt es immer, wir lernen nicht für die Noten, sondern fürs Leben. Später dann wird gesagt, „man lernt nie aus“ oder häufig wird auch von „lebenslangem Lernen“ gesprochen. Aber was ist „Lernen“ überhaupt? Und wie können wir effektiv und nachhaltig lernen?

Elsbeth Stern, eine Kognitionspsychologin beschreibt den Prozess des Lernens wie folgt: „Lernen heißt, durch Üben, Probleme lösen, Erklären und andere geistige Aktivitäten die bestehende Wissensbasis zu verändern“. Ihrer Beschreibung nach wird Lernen durch die Gehirnaktivität ermöglicht und durch unsere Umwelt und Situationen gesteuert.
Lernen ist also ein Zusammenspiel von unserem Gehirn und unserem Umfeld, wie zum Beispiel der Schule. Um bestmögliche Erfolge zu erreichen, sollte Lernen so arrangiert werden, dass es der Arbeitsweise des Gehirns entspricht. Dabei stellt sich die Frage, wie der Lernprozess im Gehirn abläuft und wie die Erkenntnisse aus der neurowissenschaftlichen Forschung in der Schule von Lehrerpersonen, Eltern und Schülerinnen und Schülern angewandt werden können, damit „leichter“ und nachhaltig gelernt werden kann.

Lernen in der Schule – Neurodidaktik

Die Schule hat die Aufgabe den Schüler/innen Wissen so zu vermitteln, dass dieses auch angewandt und abgerufen werden kann. Um Wissen zu erwerben, können verschiedene Lernstile und Lernmethoden eingesetzt werden, welche von den Schüler/innen aktiv umgesetzt werden. Das Wiederholen von Vokabeln oder das Verknüpfen mit bereits gelerntem Wissen können solche Lernstrategien sein.

Neurodidaktik versucht die Erkenntnisse aus der Didaktik und der Neurowissenschaft zusammenzuführen, um Lernen bestmöglich zu gestalten. Der Hintergrund dabei ist die Annahme, dass eine enge Verbindung zwischen der Lernfähigkeit des Menschen und der Plastizität des Gehirns besteht. Die Begründer der Neurodidaktik Gerhard Friedrich und Gerhard Preiß zeigen, wie durch die Interaktion mit der Umwelt neuronale Netze aufgebaut werden. Daraus wird abgeleitet, dass die Gestaltung der Umwelt den Lernprozess beeinflusst. Neue Informationen und Eindrücke aktivieren die Nervenzellen in unserem Gehirn. So entstehen neue Wege und Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Diese Muster und Wege merkt sich das Gehirn, sodass sie bei Bedarf schneller aktiviert werden können. Dieser Vorgang beschreibt das Lernen.

Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich vier Grundsätze der Neurodidaktik:

1. Wahrnehmung, Lernen und Handeln stehen in engem Zusammenhang. Um sinnvoll zu lernen, sollten soziale, räumliche, zeitliche und andere Merkmale der Handlung stabil sein.

2. Neue Lerninhalte werden in bereits bestehende Netze eingegliedert. Deshalb sollte der Lernprozess nicht defizitorientiert sein, da diese neuronalen Netze nur unzureichend ausgeprägt sind.

3. Wahrnehmung eines Menschen ist stets individuell und variabel. Deshalb sollten die didaktischen Handlungen an die individuelle Lebenswelt der SchülerInnen angepasst werden.

4. Lernen soll vernetzt und kontextbasiert stattfinden, sodass neue Inhalte an bereits bestehende Netze anknüpfen kann.

Daraus ergeben sich 7 Tipps zum Neurodidaktischen Lehren und Lernen, die nicht oft genug hervorgehoben werden können:

  • Lerngegenstände im Unterricht mit der Lebenssituation der Kinder verbinden (z.B. Beispielaufgaben, welche die Interessen widerspiegeln)
  • Lernziele sollten für Schüler/innen Bedeutung haben und zu ihren individuellen Zielen passen.
  • Lernen ist ein aktiver Prozess – Lerninhalte sollten interaktiv vermittelt werden.
  • Das Gehirn ist für Sozialverhalten ausgerichtet – Gruppenarbeiten verstärken den Lernerfolg.
  • Das Speichern von Wissen benötigt Zeit – sinnvolle Pausen einplanen.
  • Gestaltung der Lernumgebung – ein Mittelmaß von stabiler Ordnung und Vielfältigkeit.
  • Methodenauswahl – die verschiedenen Lernstile und Lernmethoden der Schüler/innen sollten beachtet werden.

 

Für etwaige Vertiefungen in die Thematik hier die weiterführenden Links:

 

 

Teresa Alkofer



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