Zwischen Erinnern und Erzählen

Jugendliche bewahren Lebensgeschichten aus Eisenerz

„Was würdet ihr eure Großeltern fragen, wenn ihr wüsstet, dass ihre Geschichten für immer verloren gehen könnten?“

Wie war das Leben ohne Handy, Internet und soziale Medien? Wie hat sich eine Familie nach dem Krieg ein Zuhause aufgebaut? Wie war es, in einer Zeit aufzuwachsen, die heute längst vergangen scheint? Und welche Erfahrungen haben unsere Groß- und Urgroßeltern geprägt?

Die Antworten auf diese Fragen finden sich nicht nur in Geschichtsbüchern. Sie finden sich vor allem in den persönlichen Erinnerungen der Menschen, die diese Zeit selbst erlebt haben.

Genau hier setzt unser Projekt an. Jugendliche aus Eisenerz kommen mit älteren Menschen ins Gespräch und machen sich gemeinsam auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie hören zu, stellen Fragen und halten persönliche Lebensgeschichten in Form von Video-Interviews fest.

Dabei geht es nicht um klassischen Geschichtsunterricht, sondern um echte Geschichten und persönliche Erfahrungen: um Kindheit und Jugend, Kriegs- und Nachkriegszeit, Wiederaufbau, Arbeit und Familie, gesellschaftliche Veränderungen und die Entwicklung unserer Demokratie.

Geschichte wird persönlich

Die Jugendlichen werden selbst zu Forscher. In vorbereitenden Workshops beschäftigen sie sich mit den historischen Hintergründen und entwickeln Fragen für ihre Gespräche. Gleichzeitig lernen sie, wie man ein gutes Interview führt und wie sich mit einfachen technischen Mitteln persönliche Geschichten festhalten lassen.

Anschließend führen sie die Gespräche mit ihren Großeltern, Urgroßeltern oder anderen älteren Menschen aus ihrem Umfeld – bewusst dort, wo sich die Gesprächspartner wohlfühlen. Denn gerade in einer vertrauten Umgebung entstehen oft die schönsten Erinnerungen und Geschichten.

Aus den Aufnahmen entstehen kurze Filme und weitere Beiträge, die die persönlichen Erinnerungen sichtbar und für andere zugänglich machen.

Begegnung zwischen den Generationen

Ein besonderer Höhepunkt des Projekts ist das gemeinsame Plaudercafé im Stadtmuseum Eisenerz. Ausschnitte aus den entstandenen Interviews werden gezeigt und laden dazu ein, weiterzuerzählen, nachzufragen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Jugendliche und ältere Menschen begegnen sich dabei bewusst generationenübergreifend. Sie entdecken Gemeinsamkeiten, lernen unterschiedliche Lebenswelten kennen und erleben, dass Geschichte nicht nur etwas Vergangenes ist – sondern etwas, das in den Erinnerungen von Menschen weiterlebt.

Erinnerungen bewahren

Mit dem Projekt wollen wir persönliche Geschichten bewahren, die sonst vielleicht irgendwann verloren gehen würden.

Denn jede Lebensgeschichte ist ein kleines Stück Zeitgeschichte. Sie erzählt davon, wie Menschen ihre Zeit erlebt haben, was sie bewegt hat und wie sich unsere Gesellschaft verändert hat.

Die entstandenen Filme und Kurzbeiträge sollen deshalb auch über das Projekt hinaus erhalten bleiben und bei Veranstaltungen, über regionale Medien und Social Media zugänglich gemacht werden.

Wir wollen zuhören, bevor Geschichten verloren gehen.
Wir wollen Erinnerungen bewahren und Generationen miteinander ins Gespräch bringen.
Und wir wollen Geschichte dort erzählen, wo sie am persönlichsten ist: in den Geschichten der Menschen.

Wir danken der Gemeinde Eisenerz für die gute Zusammenarbeit!