“Girls just wanna have fundamental rights”
Über Schwangerschaftsabbrüche und das Recht über seinen eigenen Körper zu entscheiden

„Jeder Mensch hat das Recht, in Angelegenheiten rund um die eigene Sexualität, um Partnerschaft und Schwangerschaft selbst zu entscheiden. Ohne Diskriminierung, Zwang oder Gewalt. Doch längst nicht überall sind diese Menschenrechte garantiert.“ 

                                                                                                                                                         Amnesty International, Kampagne „Mein Körper. Meine Rechte“

 

Am Freitag, dem 23.9.2016, fand in Polen die erste Gesetzeslesung zur Forderung eines Totalverbots der Abtreibung statt – und wurde angenommen. Das neue, von der Initiative „Stop Aborcji!“ (Stoppt Abtreibung!) vorgeschlagene Gesetz hätte insgesamt drei solcher Lesungen bestehen müssen, damit es hätte gültig werden können.

Dabei sind die Gesetze gegen Schwangerschaftsabbrüche in Polen ohnehin sehr streng. Seit 1993 darf eine Frau ihre Schwangerschaft nur dann abbrechen, wenn sie durch eine kriminelle Handlung entstanden ist, die Gesundheit oder das Leben der Frau gefährdet sind oder sich beim Fötus schwere Krankheiten oder Missbildungen bemerkbar machen.

Der Wunsch von „Stop Aborcji!“ wäre aber, dass es gar keine Möglichkeit mehr gibt, einen Fötus abzutreiben. Würde zum Beispiel das weibliche Opfer einer Vergewaltigung eine dadurch entstandene Schwangerschaft dennoch abbrechen, so würden ihm höhere Haftstrafen drohen, als Vergewaltiger selbst normalerweise absitzen. Auch nach einer Fehlgeburt müsste die Frau belegen können, dass sie den Tod des Ungeborenen nicht selbst herbeigeführt hat. Sogar bei hoher Wahrscheinlichkeit, dass das Baby bei oder kurz nach der Geburt sterben könnte, hätte die Mutter keine Wahl und müsste es zur Welt bringen.

Am Montag darauf, dem „schwarzen Montag“, sind cirka hunderttausend schwarzgekleidete Polinnen und Polen auf die Straße gegangen und haben gegen das neue Gesetz demonstriert – erfolgreich, wie es scheint, denn am Donnerstag, dem 6.10.2016, wurde das totale Abtreibungsverbot abgelehnt.

352 Abgeordnete haben bei der zweiten Lesung dagegen gestimmt, nur 58 waren dafür, 18 enthielten sich der Stimme.

Sieht das nicht nach einem politischen Erfolg der  BefürworterInnen des Schwangerschaftsabbruchs aus? Nicht wirklich.

Die polnische Regierungspartei PiS hat nämlich bekannt gegeben, dass sie nun ein eigenes Gesetz zum Thema „Schwangerschaftsabbruch“ entwerfen werde, während Joanna Mucha, die Abgeordnete der oppositionellen Bürgerplattform, klarstellt: „Polnische Frauen werden es Ihnen nicht erlauben, sie wie Schafe ins Schlachthaus zu führen. Die Herde wird Sie niedertrampeln.”

Eine Einigung ist also weiterhin nicht in Sicht.

Aber egal ob in Polen oder sonst irgendwo auf der Welt: Frauen, aber auch Männer, zeigen sich entsetzt darüber, noch immer darum kämpfen zu müssen, dass eine Frau selbst über ihren Körper bestimmen darf.

Man wolle ja nur das Beste für die Frauen und sie vor den Risiken einer Abtreibung schützen – und das, obwohl ein Schwangerschaftsabbruch rund vierzehn Mal sicherer ist als eine Geburt. Und natürlich sei jedes Kind ein „Geschenk Gottes“, das man um jeden Preis schützen müsse. Jedenfalls bis zu seiner Geburt, denn ob es danach leidet, weil es schwer krank ist, seine Familie sich nicht um es kümmern kann oder es einfach unerwünscht ist, das scheint keine Rolle zu spielen. Ebenso wenig wie die Psyche einer Mutter, die Tag für Tag dem Ergebnis einer Vergewaltigung, dem vermutlich schlimmsten Moment in ihrem Leben, in die Augen sehen muss – ja, es bestenfalls sogar lieben soll.

Und nein, ein Fötus spürt keine Schmerzen beim Abtreiben; jedenfalls nicht bis zur 24. Schwangerschaftswoche, denn davor fehlen die Verbindungen zur Großhirnrinde und machen Wahrnehmung und Bewusstsein von Schmerz unmöglich. (Und nach der 24. Schwangerschaftswoche wird nur in sehr speziellen Fällen abgetrieben.) Entgegengesetzte Behauptungen von Abtreibungsgegnern zielen auf die Emotionen und sollen ein schlechtes Gewissen erzeugen.

Niemand treibt gerne ab. Eine Entscheidung dafür wird nicht leichtfertig getroffen, sie muss aber im Entscheidungsbereich der betroffenen Frau bleiben.

„Girls just wanna have fundamental rights“ stand auf den Plakaten, welche am „Schwarzen Montag“ in die Höhe gehalten wurden. Und das im Jahr 2016. Eine Schande? Es liegt an uns das zu ändern!

 

Quellen:

https://www.amnesty.at/de/meinkoerpermeinerechte/

https://www.amnesty.at/de/schwerpunkte/

https://www.amnesty.at/de/menu185/artikel318/

http://derstandard.at/2000045498157/Abtreibungsverbot-Polens-Fuehrung-gibt-Protesten-nach

http://diepresse.com/home/panorama/welt/5090572/Totalverbot-von-Abtreibungen-in-Polen

https://news.vice.com/article/abortion-could-soon-be-banned-in-poland-and-women-are-fighting-back

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-10/polnisches-parlament-lehnt-abtreibungsverbot-ab

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch#K.C3.B6rperliche_Folgen

http://abtreibung.at/fur-allgemein-interessierte/mythen-und-fakten

 

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Anna Bartens, geboren am 10. Juni 2000, besucht zur Zeit die 6. Klasse des
BG/BRG Kirchengasse. Sie spielt schon das sechste Jahr im TaO (Theater am
Ortweinplatz) und war bei der 4. Steirischen Jugendstudie dabei.



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