Menschenrechte im Alltag beharrlich vorleben – 8 Praxistipps für Menschenrechte als gelebte Alltagskultur

Menschenrechte im Alltag beharrlich vorleben – 8 Praxistipps für Menschenrechte als gelebte Alltagskultur

Presseaussendung

„Jede Steirerin und jeder Steirer können die Menschenrechte konkret und direkt in ihrem/seinem Lebensumfeld fördern. Denn das Steirermadl und der Steirerbua verfügen über viele, meist ungenutzte Handlungsspielräume für mehr Menschenrechte in unserem Land!“ Mit diesem Slogan wenden sich ARGE-GF-Obmann Mag. Christian Ehetreiber und ARGE-Bereichsleiterin Mag. Martina Mauthner anlässlich des Tages der Menschenrechte an die steirischen BürgerInnen. „Eine konsequente Menschenrechtspolitik, die auf die regionale und globale Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung aller Menschen abzielt, muss danach trachten, die Menschenrechte zur gelebten Alltagskultur zu machen,“ so Ehetreiber zur Grundidee der Nutzung von vorhandenen individuellen und gemeinschaftlichen Handlungsspielräumen für mehr Menschenrechte in unserem Bundesland.

Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus bietet daher für Schulen, Gemeinden, Jugendeinrichtungen und interessierte BürgerInnen ein umfassendes Angebot der Menschenrechtsbildung (Beratung, Information, Materialien, Workshops), das unter www.argejugend.at abrufbar ist. Interessierte zum Thema „Menschenrechte“ wenden sich bitte an die Leiterin der ARGE-Servicestelle für Menschenrechtsfragen, Mag. Martina Mauthner, unter der Tel.: 03862/57 380 oder unter martina.mauthner@argejugend.at Die ersten 20 anfragenden InteressentInnen erhalten kostenlos das Fachmagazin „Menschenrechte als gelebte Alltagskultur“ zugesendet.

Anlässlich des Tages der Menschenrechte möchte die ARGE Jugend insgesamt acht Praxistipps für Menschenrechte als gelebte Alltagskultur ins Bewusstsein rufen:

Menschenrechte erfordern: dem Anderen mit Respekt, Offenheit und im Geist der Menschenwürde begegnen Menschenrechte beginnen bei der Begegnung mit anderen Menschen im Alltag. Respekt, Höflichkeit, Offenheit und grundsätzliche Wertschätzung eröffnen oder verschließen den Zugang zum Alltagshandeln für oder gegen Menschenwürde und Menschenrechten. Ob Jung oder Alt, Mann oder Frau, InländerIn oder AusländerIn, Christin, Muslim, Jude oder Konfessionsfreier: eine von Respekt geprägte Kommunikationsform auf Augenhöhe mit allen hier lebenden Menschen sollten zum Standardrepertoire der SteirerInnen gehören!

Bescheidwissen über die Menschenrechte hilft jedenfalls weiter! Wer seine Menschenrechte nicht (ausreichend) kennt, kann diese nur unzureichend wahren. Unter diesem Aspekt hilft die regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen der Menschenrechtsbildung sehr viel weiter, um mehr Menschenrechte im Alltag realisieren zu können. Ob Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt, Vorenthaltung von Kinderrechten bis zur rassistischen Diskriminierung am Wohnungs- oder Arbeitsmarkt: Stets ist Wissen erforderlich, um Abhilfe zu schaffen! Zahlreiche Einrichtungen – vom Afro-Asiatischen Institut über Caritas, ISOP, ETC Graz, Verein XENOS, bis zur ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus – bieten eine bunte Palette an Veranstaltungen für die Schärfung des eigenen Menschenrechtswissens.

Hinschauen und Zivilcourage üben statt Wegschauen und das Unrecht bestehen lassen! Unrecht gedeiht in einer Kultur des Wegschauens und Nichteinmischens am allerbesten, vom Mobbing am Arbeitsplatz über alltagsrassistische Anpöbelungen in den Öffis bis zur Gewalt in der Familie. Wir appellieren an die Steirerinnen und Steirer, sich gegen offensichtliches Unrecht im eigenen Umfeld mit Mut und Zivilcourage einzusetzen, dazu Verbündete zu suchen und den Opfern aktiv beizustehen. Wegschauen und Nichtstun zementiert jedenfalls bestehende Unrechtsverhältnisse und lässt die Opfer im Stich.

Konsum macht Politik = Konsum! Macht! Politik! Unser Konsumverhalten fördert oder schädigt die Menschenrechte im regionalen und globalen Kontext Der tägliche Einkauf jeder Steirerin und jedes Steirers entscheidet darüber, ob Menschenrechte regional und global befördert oder geschädigt werden. Wer „Geiz ist geil“ zum allein seligmachenden Kaufargument stilisiert, darf sich nicht wundern, wenn am Ende der „geilen Einkaufstage“ ungezügelte Profitgier, entfesselte Ausbeutung von Mensch und Natur und der Ruin des Planeten stehen. Der Griff zu saisonal verfügbarem Obst und Gemüse aus steirischer Landwirtschaft, das grundsätzliche Wirtschaften und Konsumieren aus der Region, mit der Region und für die Region sichert nachhaltige Arbeitsplätze in unserem Land, vermindert die KFZ-Lawine und den Schadstoffausstoß und stellt den Wettbewerb unter vielfältigere – das sind: nachhaltigere, gesündere und menschenrechtlichere - Bedingungen als nur unter den „geilsten Preis“.

Engagement für Menschenrechte = Engagement für konkrete Menschen Das Engagement für Menschenrechte muss sich an der Praxis erweisen. Menschenrechtliches Engagement richtet sich daher stets auf die konkrete Verbesserung der Lebens- und Rechtssituation konkreter Menschen. Ob Solidarität und Nächstenliebe mit bettelnden Roma in den steirischen Gemeinden, ob finanzielle und persönliche Unterstützung von Hilfsprojekten für die Elendsgebiete in allen Weltgegenden oder die Hilfeleistung im Familien-, Nachbarschafts- und Freundeskreis: Es kommt auf jede Form des menschenrechtlichen Engagements im Alltag ganz entscheidend an. All diese konkreten und an Menschen vollbrachten kleinen oder größeren Taten sollte man sich nicht kleinreden oder gar ausreden lassen, ganz im Gegenteil!

Den Stammtisch zum Forum für Menschenrechte und nicht des Rassismus machen! Stammtische sind hierzulande leider mitunter eine Arena für die Verbreitung von Rassismus, Diskriminierung, Frauenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und von antidemokratischem Gedankengut. Wir appellieren daher an alle SteirerInnen, den guten Brauch des Zammsitzens am Stammtisch dazu zu nutzen, um über Menschenrechte und Demokratie leidenschaftlich zu diskutieren, statt sich in der dumpfen Aura des Vorurteils, des Ressentiments und der Menschenverachtung zu präsentieren. Gerade der Stammtisch könnte viel mehr zum Forum für Menschenrechte werden und nicht zum Turnierplatz für angewandte Menschenrechtsverletzungen aller Art. Dazu bedarf es keiner Gesetzesinitiativen, sondern nur des Einsatzes jedes einzelnen von uns, des energischen Widerspruchs gegen jene, die am Stammtisch die sprichwörtliche Sau rauslassen wollen und jener Bildung, die eben dieses Engagement am Stammtisch braucht, um Erfolg zu erzielen.

„Das nutzt ja alles eh nix!“ Die Immunisierung vor Selbstlähmungsparolen ist wichtig für mehr Menschenrechte in unserem Land! „Unrecht wird´s halt immer geben!“ „Menschenrechte sind fromme Theorie. In der Praxis hilft das alles nichts!“ „Was nützt es schon, wenn ich Menschenrechte einhalte, diese aber in so vielen Staaten verletzt werden?“ Solchen Sätzen begegnen wir in unserer täglichen Menschenrechtsarbeit unentwegt. Wichtig ist, dass wir uns vor den paralysierenden Wirkungen dieser Sätze immunisieren und uns nicht entmutigen lassen, trotz ersichtlicher Rückschläge in der weltweiten Bemühung um mehr Menschenrechte am aktiven Einsatz für mehr Menschenrechte weiterhin aktiv festzuhalten. Denn worin bestünde die vernünftige Alternative? Wir bitten die Steirerinnen und Steirer, die Erfolge in ihrer konkreten Menschenrechtsarbeit stärker zu fokussieren als die Rückschläge und Niederlagen, sich vor allem dabei niemals entmutigen oder frustrieren zu lassen.

Menschenrechte gedeihen am besten in aktiven und dezentralen Netzwerken Allein steht man auch in Menschenrechtsfragen oft allein auf weiter Flur. Wir empfehlen daher, sich in der Menschenrechtsarbeit kompetente Verbündete zu suchen, da man gemeinsam bekanntlich mehr zu erreichen vermag als einsam. Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus kann interessierte SteirerInnen gerne mit bestehenden steirischen Menschenrechtsnetzwerken in Kontakt bringen. Kontakt: Mag. Martina Mauthner, 0664/532 1606 oder martina.mauthner@argejugend.at

Christian Ehetreiber GF-Obmann der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus