Hochkonjunktur von „Wirklichkeits(v)erklärung?

Unter der Schlagzeile “Soziologie der Krise” kredenzt der ORF eine lesenswerte Sicht von SoziologInnen auf die aktuelle Lage unseres Lebens mit COVID 19. Wie immer in Krisenzeiten haben ganz spezifische Prototypen von Wirklichkeits(v)erklärung Hochkonjunktur: die Weltuntergangshofer und Katastrophskis aller Schattierungen, welche von Goethes “Geist, der stets verneint” und vom Heideggerschen “Sein zum Tode” ihre immer befremdliche Legitimation und ihr oft verderbliches Lebenselixier aufsaugen. Sodann die Heerscharen an Verschwörungs”theoretikern”, deren pestilenzartige Thesen IMMER SOFORT erkennbar sind: durch jedweden Verzicht auf seriöse Recherche, auf die intersubjektivierbare Darlegung von Argumenten und Gegenargumenten und auf eine wahnhafte Proklamation von “Erkenntnis” einer exklusiven, vermeintlich “wirklich wissenden verschworenen Clique”. Diese „Wunderwuzzis wirklich Wissender“ wähnen sich klüger als die gesamte Scientific Community. Am anderen Ende der Untergangshoferei und der Verschwörungstheoretiker finden wir die buntscheckige Schar der Illusionisten, für die “NACH DER KRISE ENDLICH ALLES GANZ ANDERS WERDEN WIRD, in der es ENDLICH EIN NUR NOCH WAHRES IM WAHREN GANZEN GEBEN WERDE” und eben nicht Adornos Stammtischweisheit, wonach es nichts Wahres im Falschen gebe.

Rosige Aussichten, was unsere Zukunft betrifft? Das kommt auf nüchterne Blicke an!

Selbstreflexive Aufklärung auf Vernunftbasis ist stärker!

Die einer vernunftbegabten, selbstreflexiven Aufklärung und Wissenschaft verpflichteten Pragmatiker vermögen die schrillen Töne der zitierten “Prototypen zwischen Paradies und Hölle” bisweilen kaum zu entzaubern. Sie achten zum Glück darauf, dass sie das Gesetz des Handelns wie auch die gesellschaftlichen Steuerruder fest in ihren Händen halten und dafür um demokratische Mehrheiten mit Argumenten ringen! Der Grazer Soziologe Manfred Prisching hält in gewohnt unaufgeregter Form den “Apologeten des Schrillen, des Unterganges und der wundersamen Errettung” einen ganz nüchternen Befund entgegen: “Negative Prognosen, etwa einen ´Einstieg in den Ausnahmezustand, in den Autoritarismus, in die Kontrollgesellschaft, in den triumphierenden Neoliberalismus´, ebenso wie positive – die Menschen hätten Zeit zur Reflexion gehabt und gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden – hält Prisching für ´ziemlich unglaubwürdig. Sie beruhen darauf, dass in die Krise das hineingeheimnisst wird, was man auch sonst immer mit sich herumgetragen hat´”. Ich stimme mit Manfred Prisching dahingehend überein, dass die meisten Menschen nach der hoffentlich erfolgreichen Bewältigung der Krise auf gut Wienerisch resümieren werden: “Vü is passiert, nix is gscheh´n!”

Bleibt jedenfalls gesund, lebensfroh und humorvoll, liebe Community!
Euer Christian Ehetreiber

 

Link:

https://orf.at/stories/3160839/



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