In memoriam Helmut Strobl: Ein feinsinniger Denker und Umsetzer mit Humor und Courage

Aufrechter Gang als Programm

Der aufrechte Gang war sein Programm. Das freie Denken sein Lebenselixier. Die Zivilcourage seine Handlungsmaxime. Der fein gewirkte Humor, gewürzt mit einer Prise Selbstironie, sein Markenzeichen. Wir trauern um den Denker und Mitgestalter der Menschenrechts- und Kulturhauptstadt Graz, um unseren lieben Kollegen im Grazer Menschenrechtsbeirat: Helmut Strobl (15.11.1943 bis 3.9.2019). Demonstrant gegen Nazidichter. Wehrdienstverweigerer vor Erfindung des Zivildienstes. Umweltaktivist gegen den geplanten Bau der A9 mitten durch Graz. Rettungsfahrer und Sanitäter in Graz. Menschenrechtsaktivist gegen die Errichtung eines Grenzzaunes gegen Flüchtlinge auf seinem Grundstück an der steirisch-slowenischen Grenze. Vorkämpfer für eine U-Bahn in Graz: All das sind zutreffende Etikettierungen für die schillernde Persönlichkeit Helmuts.

https://steiermark.orf.at/v2/news/stories/2813780/

Bunter Hund und mehrdimensionaler Querdenker

Helmut Strobl verfügte zeitlebens über jene Schneid´, um gegen Eitelkeiten, Verblendungen und Holzwege des Mainstreams mit aufrechtem Gang anzukämpfen, um Widerspruch vorzubringen und Widerstand zu leisten. Helmut Strobl war dem „Standard“ zufolge ein „Exstadtrat, der sich nie einzäunen ließ.“ Bürgermeister Siegfried Nagl würdigte Strobl als „einen der seltenen Menschen, der den Fragen mehr vertraut hat als den Antworten“. Landesrat Christopher Drexler charakterisierte Strobl als einen „knallbunten Hund“. Diese bunten Hunde und Paradiesvögel gediehen in den 1970er und 1980er Jahren rund um das Josef-Krainer-Haus – dessen stellvertretender Leiter Strobl war – im Geiste liberaler Offenheit und des mehrdimensionalen Querdenkertums. Seitens der KPÖ Graz würdigte Franz Stephan Parteder Strobls Fähigkeit zur respektvollen parteiübergreifenden Zusammenarbeit für höhere politische Ziele: „Wir haben ab 1968 einiges gemeinsam unternommen: Für die Demokratisierung der Hochschulen, gegen Neonazis, gegen die Erhöhung der Straßenbahntarife und auch beim Volksbegehren zur Abschaffung des Bundesheeres. Schon damals waren unsere unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Ansichten kein Hindernis für die gegenseitige Achtung.“ In einem Interview mit uns vor einigen Jahren verortete sich Helmut im Einklang mit den zitierten Nachrufen selbst als Querschwimmer zu vorhandenen politischen Strömungen: „Ich selbst sehe mich als bunten Hund, passe in keine der bei uns vorhandenen politischen Strömungen, ordne mich als ökosozialliberal auf Basis christlich-sozialer Weltanschauung ein.“

Humor, Intellektualität und Menschenfreundlichkeit

Helmut Strobls intellektuelle Fähigkeiten und sein energisches Engagement fanden ihre originelle Rahmung in einem fein ziselierten Humor, einer heiteren Selbstreflexion und einer unnachahmlichen Kommunikationsfähigkeit, die den anderen nicht überreden oder übertrumpfen, sondern überzeugen wollte. Umgekehrt ließ sich Helmut jedoch auch seinerseits überzeugen, wenn sein Gegenüber stichhaltige Argumente vorbringen konnte. In den Diskussionen des Menschenrechtsbeirates der Stadt Graz brillierte Helmut immer wieder durch überzeugende Argumente und durch einen wertschätzenden, neugierigen und zuhörenden Respekt gegenüber anderen Positionen. Zelotisches Eiferertum war Helmut selbst bei emotional aufgeladenen Themen fremd und ein Gräuel. Er gehörte zu den wenigen Menschen, die den respektvollen, höflichen und herzlichen Umgang mit anderen nicht vom Konsens mit eigenen Positionen abhängig machen. Trotz hoher Loyalität zu seiner Steirischen Volkspartei, für die er als Gemeinderat und später als Kulturstadtrat gemeinsam mit seinem Freund, Bürgermeister Alfred Stingl, in Graz einige bleibende Großprojekte realisieren konnte, erhob Helmut Strobl immer dann medial vernehmbar seine kritische Stimme, wenn sich seine Partei auf Abwege begab. Die Wiedererrichtung der Synagoge, das Kunsthaus, die Murinsel oder die Kulturhauptstadt 2003 seien für sein kulturpolitisches Wirken in der Kulturhauptstadt Graz exemplarisch genannt.

Graz verliert einen Mit- und Vorausdenker!

Wir durften mit Helmut Strobl und mit Grazer Jugendlichen ein intergeneratives Videoprojekt zur „Jugendrevolte 1968“ realisieren. Ihr findet unter dem nachfolgenden Link den lieben Helmut in seiner Paraderolle des innovativen Vordenkers und parteiübergreifenden Netzwerkers:

https://www.generationendialog-steiermark.at/themen/jugendrevolte-1968/

https://www.generationendialog-steiermark.at/interviewpartner/strobl-helmut-dipl-ing/

Das Grazer Menschenrechtsnetzwerk verliert einen originellen Mit- und Vorausdenker, einen Wegbereiter, einen stets unterstützenden Ermöglicher und treuen Freund. Wir werden die Erinnerung an Helmut Strobl in unseren Herzen wie auch in vielen schönen Erinnerungen mit ihm im Gedächtnis behalten. Ich darf meinen Nachruf auf Helmut Strobl mit den Worten des gemeinsamen Freundes Pfarrer Wolfgang Pucher schließen: „Die Anliegen jener Menschen, denen es nicht so gut geht, waren Helmut genauso wichtig wie die interkulturellen Themen. Er war ein edler Mensch!“

Christian Ehetreiber



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