Frieden kann nur von Dauer sein, wenn die Menschenrechte geachtet werden. (Dalai Lama)

Rückblick und Ausblick auf das Projekt Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur

„Es ist wichtig, dass Menschenrechte und Demokratie in unsere Alltagskultur übergehen, denn wir sind uns gar nicht bewusst, wie wichtig diese Errungenschaften für unser Leben sind.“ So fasst Linda Pilz, Lehrerin an der NMS Stein/ Enns zusammen, warum es wichtig ist, sich in der Schule mit Menschenrechten und Demokratie zu beschäftigen. Die NMS Stein/Enns war eine jener AkteurInnen, die im vergangenen Jahr im Projekt „Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur“ der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus mitgemacht haben. Somit war die NMS Stein/Enns eine von insgesamt 11 Projektgruppen aus der Obersteiermark, die sich am Projekt beteiligt und sich dafür engagiert haben, dass Menschenrechte und Demokratie zur Alltagskultur werden.

 

Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur – Was ist das?

Das Projekt Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur ist ein Projekt der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus für die drei obersteirischen Planungsregionen. Aus den Regionen Liezen, Obersteiermark Ost und Obersteiermark West können dabei 9-15 Gemeinden ihre Projekte zum Thema Menschenrechte und Demokratie umsetzen. Gefördert wird das Projekt dabei von den Ressorts Soziales und Landes- und Regionalentwicklung des Landes Steiermark. Die Rolle der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus ist die des Projektträgers, der auch unterstützend und beratend zur Seite steht.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass weder Themen, noch Formen und Formate der Projekte vorgegeben sind. Die im jeweiligen regionalen Projekt behandelten Themen müssen lediglich mit Menschenrechten und/ oder Demokratie zu tun haben. Wie die Themen behandelt werden, bleibt der jeweiligen Projektgruppe selbst überlassen. Bei den Themenbeispielen des letzten Jahres ist schön ersichtlich, welche Vielfalt an Projekten zum Thema Menschenrechte und Demokratie möglich ist.

 

Organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen

Um am Projekt teilzunehmen, muss die jeweilige Gemeinde das Anmeldeformular ausfüllen. Im Anmeldeformular ist auch anzugeben, wer die Projektverantwortlichen sind. Das kann entweder die Gemeinde als Institution sein, das können aber auch Schulen, Vereine, Kulturinitiativen der Gemeinde sein. Die Gemeinde kann also sagen, dass sie das Projekt gerne selbst durchführen würden, sie kann aber auch sagen, wir hätten gerne, dass dem Verein xy, oder der Schule der Gemeinde die Projektteilnahme ermöglicht wird. Anschließend ist eine Ko-Finanzierung einzubringen. Pro Region sind das 3000€, das heißt für die einzelne Gemeinde bewegt sich dieser Betrag bei 600-1000€. Im Gegenzug fließen dann die Fördermittel in der Höhe von 4000€ pro Region (pro Gemeinde zwischen 800-1333€) an die Projektpartner zurück. Mit dem Einlangen des Anmeldeformulars beginnt auch die organisatorische Unterstützung der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus. Diese reicht von der Unterstützung in der Planung, Durchführung bis hin zur finanziellen Abrechnung. Am Ende des Projektzeitraumes sollte ein Produkt stehen, welches das Projekt gut abbildet.

Auf Issuu finden Sie sowohl das Anmeldeformular zum Projekt, wie auch die Darstellung der Finanzierung, sowie einen beispielhaften Projektablauf.

 

Rückblick auf Jahr 1 des Projektes

2019 findet das Projekt „Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur“ nun schon zum zweiten Mal statt. Im Vorjahr haben sich insgesamt 11 Projektgruppen beteiligt. Diese wollen wir nun etwas genauer vorstellen:

Gröbming: Die NMS Gröbming beschäftigte sich unter der Leitung von Fr. Direktorin Birgit Walcher, das ganze Jahr mit dem Themenbereich „Miteinander statt Gegeneinander“. Die SchülerInnen haben das ganze Jahr, gemeinsam mit Walter Thorwartl, an einem Theaterstück gearbeitet. Das Theaterstück greift (mögliche) Konfliktpunkte in einer Klasse auf und behandelt diese dann. Das Theaterstück wird anschließend in Gröbming aufgeführt werden. In den letzten Schulwochen werden die SchülerInnen, gemeinsam mit den LehrerInnen, die Themen des Theaterstücks nachbearbeiten. So wird die soziale Kompetenz und der Teamgedanke der SchülerInnen gestärkt werden.

Sölk: Die NMS Stein/ Enns beschäftigte sich mit Adventbräuchen. Dabei haben SchülerInnen Adventbräuche recherchiert und Personen unterschiedlicher Generationen befragt, wie diese Bräuche praktiziert werden und was diese Bräuche mit Menschenrechten und Demokratie zu tun haben. Die Ergebnisse wurden in einen sehenswerten Film zusammengefasst, welcher demnächst auf der Homepage der NMS zu sehen sein wird.

 

Die SchülerInnen der NMS Stein/Enns interviewten ihre Großelterngeneration zum Thema Brauchtum im Advent.

Admont: Die NMS Admont erarbeitet eine Ausstellung zum Thema Europa. Die SchülerInnen erarbeiten in einem Workshop zunächst die Thematik Faschismus, welche neuen Formen des Faschismus es gibt und welche Gefahren er für Europa birgt. Anschließend erarbeiten sie den Begriff Europa aus unterschiedlichsten Blickwinkeln. Am Ende wird eine Ausstellung zu sehen sein, die die Ergebnisse präsentiert.

Das Stiftsgymnasium arbeitet zur kulturellen Vielfalt. In einer dritten Klasse gibt es ein Mädchen mit Asylstatus. Aus diesem Grund werden die SchülerInnen ein interkulturelles Frühstück mit Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen organisieren. Die Kräuter und das Gemüse für das Frühstück werden die SchülerInnen davor im Unterricht selbst aufziehen.

 

Michaelerberg-Pruggern: Die SchülerInnen der Volksschule haben sich mit dem Thema Kinderrechte Krieg und Frieden beschäftigt. Sie wollen ein aktives Zeichen für Frieden setzen und haben deshalb eine „Friedensfahne“ gestaltet, die vor dem Schulgebäude wehen wird.

 

Bad Aussee: Die SchülerInnen der NMS erarbeiten gemeinsam die Begriffe Flucht, Migration und Heimat. Warum verlassen Menschen ihre Heimat, bzw. warum müssen Menschen ihre Heimat verlassen? Finden sie eine neue Heimat und was bedeutet Heimat für sie eigentlich? So wurde mit den SchülerInnen der Unterschied zwischen Flucht und Migration erarbeitet. Es ist wichtig diese beiden Begriffe zu trennen, weil sie im medialen Diskurs häufig vermischt werden. Migration ist gekennzeichnet von vielen unterschiedlichen Arten, Flucht ist nur eine davon. Einer Flucht liegt immer ein Zwang zu Grunde. Menschen müssen ihre Heimat also verlassen, weil sie ansonsten um ihr Leben fürchten müssen. Eine Migration kann im Gegenzug dazu auch freiwillig passieren. Beispielsweise weil man ein Jobangebot in einem anderen Land erhält, oder aufgrund der Liebe sein Land verlässt. In diesem Zusammenhang wurden auch die Push und Pull Faktoren thematisiert, die Migration und Flucht zu Grunde liegen. Die Push Faktoren drücken die Leute aus ihrer Heimat. Das können also religiöse Verfolgung, Kriege, Klimakatastrophen etc. sein. Die Pull-Faktoren ziehen Leute in ein Land. Das können gute Bildungsangebote, Jobangebote etc. sein. In Projekttagen haben sich die SchülerInnen aktiv mit diesen Fragen beschäftigt und ihre Ergebnisse für die weitere Verwendung in der Schule dokumentiert und aufbereitet.

 

Obdach: Die Marktgemeinde Obdach begab sich gemeinsam mit der NMS Obdach auf eine zeithistorische Spurensuche. Es wurde das Leben und Wirken von Karl Namestnik erforscht. Karl Namestnik entwickelte sich aufgrund seiner Erfahrungen im Ersten Weltkrieg zu einem Friedensaktivisten, der für seine Überzeugungen ins KZ Dachau deportiert wurde. Mit Interviews von Zeitzeugen, die Namestnik kannten, sowie mit Dokumenten, die die Obdacher Bevölkerung sammelte, wurde sein Leben nachgezeichnet und die Ergebnisse in einem Film dokumentiert. Der Film wird am 4. Juli in Obdach uraufgeführt.

 

Pöls-Oberkurzheim: Die Gemeinde hat gemeinsam mit dem Menschenrechtsverein Manoj und den Schulen zum Thema Demokratie und Menschenrechte gearbeitet. Die SchülerInnen haben gemeinsam mit dem Verein Thementage organisiert, in denen beispielweise die Entwicklung der EU erarbeitet wurde und zwar im Kontext des Kalten Krieges.

 

Unzmarkt-Frauenburg: Auch hier haben sich die Volksschulkinder mit Menschenrechten auseinandergesetzt. Nachdem sie erarbeitet haben, was Menschenrechte sind und warum sie wichtig sind, wurden ausgewählte Menschen- und Kinderrechte auf Postkarten gemalt, vervielfältigt und an die lokale Bevölkerung verteilt. Somit zieren Kinderrechte die offiziellen Postkarten der Gemeinde.

 

Kobenz: Die Volksschule des Ortes hat sich intensiv mit Kinderrechten beschäftigt. Auf eine spielerische Art und Weise wurde den Volksschulkinder die Kinderrechte nähergebracht. Anschließend haben die Kinder mit einem regionalen Künstler die Kinderrechte zeichnerisch umgesetzt. Das Ergebnis des Arbeitsprozesses wird in der Schulgarderobe zu sehen sein, die von den Kunstwerken geschmückt werden wird.

 

Die Kinder der Volksschule Kobenz näherten sich zuerst den Kinderrechten an, um sie anschließend zu malen und
ihre Schulgarderobe damit zu schmücken.

Mürzzuschlag: Wie entstehen Völkermorde? Das war die Ausgangsfrage des Projektes der NMS Mürzzuschlag. Nach der Beschäftigung im Unterricht mit dieser Frage, wurde herausgefunden, dass Rassismus ein wesentlicher Teil in der Entwicklung von Genoziden ist. Anschließend wurde in Workshops das Thema Rassismus thematisiert. Was ist Rassismus? Wie entsteht Rassismus? Was können wir tun, damit Rassismus nicht entsteht? Mit diesen Fragen haben sich die SchülerInnen der NMS Mürzzuschlag beschäftigt. Dabei haben sie herausgefunden, dass Rassismus nicht von heute auf morgen entsteht, sondern durch das Bedienen von Ressentiments. Vorurteile werden geschürt um eine Gruppe gegen die andere auszuspielen. Besonders Augenmerk wird dabei auf die “Besonderheiten” der fremden Kultur gelegt, die uns als merkwürdig erscheinen. Auf diese “Merkwürdigkeiten” wird der Fokus gelegt und damit versucht, die fremde Kultur aufgrund dieser Eigenschaften als “minderwertig” darzustellen und somit die eigene “Rasse” als etwas Überlegenes darzustellen. Ihre Ergebnisse fassen sie in einem selbstgemachten Video für SchülerInnen und Erwachsene zusammen.

 

Bruck/ Mur: Das Gymnasium in Bruck/ Mur beschäftigte sich gemeinsam mit dem Neuen Gymnasium in Leoben mit Menschenrechten. Während das Neue Gymnasium in Leoben die aktuellen und etwaige zukünftige Menschenrechte künstlerisch darstellte, beschäftigten sich die SchülerInnen des Gymnasiums in Bruck/Mur mit der Pressefreiheit. In Workshops wurde das Thema u.a. mit dem Journalisten Franz Pototschnig erarbeitet. So kamen die SchülerInnen schnell zu dem Schluss, dass der morgendliche Instagram Check oder die Radionachrichten ohne Menschenrechte bzw. Pressefreiheit nicht möglich wäre und somit ihren Alltag ziemlich einschränken würde. Am Ende wurde eine gemeinsame Ausstellung mit dem BG Leoben neu erstellt, die sowohl in Leoben wie auch in Bruck zu sehen war.

 

Die Ausstellung „Menschenrechte aus Sicht der Jugend“ die von den Gymnasien Bruck und Leoben neu gemeinsam
konzipiert wurde.

 

Projekt Kick-Off 2019

Die Kick-Off Veranstaltungen zum Projektjahr 2019 haben in den letzten beiden Wochen bereits stattgefunden. Das Ziel der Kick-Offs lag darin, einerseits die Projekte des letzten Jahres vorzustellen, andererseits aber auch interessierten AkteurInnen das Projekt für das Jahr 2019 vorzustellen. Einen weiteren Schwerpunkt des Kick-Off Treffens bildeten auch spannende Fachinputs unserer ReferentInnen zu Themen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit Menschenrechten und Demokratie zu tun haben, die aber auf jeden Fall im Projekt vertiefend zu behandeln wären. So hat etwa Jörg Kapeller in Liezen zum Thema Fake News gesprochen. Dabei hat er kurz beschrieben, wie Fake News überhaupt entstehen und was jeder persönlich gegen ihre Verbreitung machen kann. Das Rezept ist dabei, eine Meldung zu generieren, die möglichst überraschend ist, weil sie dadurch viel Aufmerksamkeit erhält. Soziale Medien dienen als zusätzlicher Katalysator von Falschmeldungen, weil sie einen Logarithmus haben, der uns nur Meldungen anzeigt, die unserer Meinung entsprechen. Die wichtigste Zutat zur Verbreitung von fake news sind jedoch wir selbst. Denn jeder Einzelne von uns teilt Nachrichten, und sei es, wenn wir eine Meldung einer Freundin erzählen. Wir sind also gefordert, Nachrichten immer zu überprüfen.

Vom Kick-Off in Liezen berichtete das Radio Freequenns.

In Leoben beleuchtete Micha Beiglböck den Zusammenhang zwischen unserem Konsumverhalten und den Menschenrechten und verblüffte die Teilnehmenden mit der Aussage, dass Plastik per se nichts schlechtes sei. Denn viele Obst und Gemüsesorten halten, in Plastik verpackt, fast doppelt so lang, als wenn sie das nicht wären. Das heißt aber wiederum nicht, dass wir alles in Plastik verpacken sollten. Unser Nachhaltigkeitsexperte gab auch konkrete Tipps mit auf den Weg, wie man nachhaltiger Leben kann. So ist es schon ein großer Beitrag, wenn man nicht das ganze Jahr Erdbeeren oder Tomaten kauft und stattdessen auf regionale und saisonale Produkte setzt. Verdutzt waren die Zuhörerinnen auch, dass die Ressourcenbilanz von einem Kilo Fleisch fast gleich schlecht, wie die eines Smartphones ist. Micha Beiglböck hat ausdrücklich betont, dass er niemanden verbieten will Fleisch zu essen oder eine Flugreise zu machen, dass man die Ressourcen aber besser einsetzen sollte. Denn der ökologische Fußabdruck von uns Österreicher ergibt, dass wir ca. 5 Erden bräuchten, würde jeder Mensch so leben wir wir. Der Lebensstil der Amerikaner verbaucht ca. 8 Erden, viele südostasiatische Entwicklungsländer jedoch nur 0,8. Wir müssen also unsere Ressourcen viel schonender einsetzen um unsere Natur nachhaltig für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Seinen persönlichen Fußabdruck kann jeder z.B. auf dieser Seite herausfinden.

In Zeltweg zeigte Beatrix Arlitzer auf, wie es zu Mobbing kommt und was man gegen die Verletzung der persönlichen Würde tun kann. Mobbing entsteht nicht von heute auf morgen. Auch sind bei Mobbing immer mehrere Personen bzw. Personengruppen beteiligt, die eine oder mehrere Personen systematisch erniedrigen. Das heißt aber auch, dass unbeteiligt Dritte einen großen Einfluss haben, eben weil sie nichts gegen diese systematische Unterdrückung tun. Zum Glück ist es jedoch so, dass Mobbing erst die letzte Stufe von Konflikten darstellt und Konflikte können zum Glück gelöst werden. Wichtig ist jedoch, dass die Konflikte persönlich angesprochen werden. Es funktioniert nicht zu versuchen, den Konflikt beispielsweise über WhatsApp zu lösen.

Im Rahmen dieser Kick-Off Veranstaltungen haben wir einige AkteurInnen um ihre Stellungnahmen zum Projekt Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur gebeten. Diese Stellungnahmen finden Sie in diesem Video.

 

Sollten Sie Interesse an einer Projektteilnahme haben, stehen Ihnen Fr. Martina Weixler und Herr Christoph Hochmüller gerne für Auskünfte zur Verfügung.

 

Sie erreichen sie unter

Martina Weixler:

0664/35 44 018; martina.weixler@argejugend.at

 

Christoph Hochmüller

0664/20 61 975; christoph.hochmueller@argejugend.at

 

Christoph Hochmüller

 



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