„Empathisches Begleiten, konsequentes Führen, beherztes Erziehen“ – Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung als Erziehungsberechtigte/r im Sinne der „neuen Autorität“. Ein Interview mit Markus Russegger

„Und bist du nicht willig… so brauch ich Geduld“ – Haim Omer

Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern birgt viel Konfliktpotential. Eine Auseinandersetzung, ein Streit oder auch eine Diskussion enden oft in einer Eskalation und wirken negativ auf die Beziehung zueinander. Vertrauen, Schutz und ein harmonisches Familienleben können so schnell in einem autoritären, von psychischer und physischer Gewalt geprägten Umgang enden.
Wie können Eltern am besten einen Streit oder eine Auseinandersetzung mit den Kindern deeskalieren, wie wird aus einer autoritären Erziehung eine Erziehung auf Augenhöhe, Akzeptanz und Verständnis?
Haim Omer hat für diese Fragen das Konzept der Neuen Autorität mit dem Prinzip des gewaltlosen Widerstands entwickelt – nachzulesen in seinem Buch Stärke statt Macht.
Die Neue Autorität besteht aus sieben Grundbausteinen:

 

  1. Präsenz
  2. Selbstkontrolle
  3. Unterstützung
  4. Gewaltfreier Widerstand
  5. Transparenz
  6. Versöhnung
  7. Wiedergutmachung

 

Es ist wichtig den Kindern Präsenz zu zeigen, sei es im direkten Kontakt oder durch die bloße Anwesenheit. Dies vermittelt den Kindern das Gefühl wichtig zu sein und zeigt Interesse am Kind. Außerdem sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass nach jeder Auseinandersetzung die Möglichkeit zur Versöhnung besteht.
Ein Interview mit Markus Russegger  Dipl. Sozial- und Berufspädagoge beim Institut für Kind, Jugend & Familie  soll die wichtigsten Fragen und Vorgehensweisen rund um den gewaltlosen Widerstand klären und einen kurzen Überblick dazu geben.

Auf die Frage was die wichtigsten Punkte für den gewaltlosen Widerstands sind, erklärt Markus Russegger: Die Neue Autorität ist in erster Linie Training für die Eltern und beruht auf deren Entscheidung gewaltfrei zu bleiben. Wenn Eltern sich für einen gewaltfreien Umgang entscheiden, können sie keinen anderen Menschen, sondern nur sich selbst kontrollieren. Da jedes Familienmitglied Teil des größeren Systems „Familie“ ist, muss man sich als Elternteil – um eine Veränderung des Verhaltens seiner Kinder erzielen zu können – als Mitglied dieses Systems zu einer Selbstveränderung entschließen. Nur so kann das komplette System um dieses Familienmitglied herum verändert werden. Wichtig hierbei ist auch, dass Erkenntnis allein oder Schuldzuweisungen keine Lösungen sind. Vielmehr sollte man sich als Elternteil immer die Frage stellen: Was habe ich bisher schon an mir verändert und mit welchem Erfolg? Dass Gewalt nichts verbessert, sondern die Situation verschlechtert, ist hierbei immer wieder eine eindeutige Erkenntnis der Eltern.

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ – Albert Einstein

Als wir Markus Russegger nach Möglichkeiten für Eltern den gewaltlosen Widerstand zu üben fragen, galt seine Empfehlung der offenen Elterngruppe, die jeden Donnerstagabend am Institut für Kind, Jugend & Familie in Graz stattfindet. Offene Elterngruppe bedeutet hierbei, dass es keinen Zwang gibt jede Woche anwesend zu sein. Ein Üben des gewaltlosen Widerstands ist jedoch unbedingt notwendig, da dieser sowohl eine Musterunterbrechung als auch das Erlernen von neuen Ritualen seitens der Eltern erfordert, was durch ein sogenanntes Elterncoaching erreicht werden kann.

 

„Ich bin Dein Vater oder Deine Mutter, Du kannst mich nicht wegwerfen, Du kannst mich nicht lähmen, Du kannst mich nicht feuern, ich bin da und ich bleibe da.“ – Haim Omer

 

Kontaktdaten für die Offene Elterngruppe:

Institut für Kind, Jugend & Familie
Moserhofgasse 42, 8010 Graz
Tel.: +43/316/77 43 44
E-Mail: ikjf@ikjf.at
www.ikjf.at



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