“Diversity is not about the others – it’s about you.”

Versetzen wir uns in folgende Situation: Wir befinden uns am Schulhof. Es ist große Pause und wir beobachten die Schülerinnen und Schüler. Was sehen wir? Wir sehen Menschen, Individuen. Jeder ist anders gekleidet. Jeder verhält sich anders. Einige haben Brillen, andere nicht. Einige haben rote Haare, andere braune, lange, kurze, gestylte oder ungestylte. Reden wir mit Schülerinnen Schülern, so erfahren wir unterschiedliche Geschichten, Weltanschauungen, Hobbies, vielleicht auch Sprachen. Sie hören unterschiedliche Musik und mögen unterschiedliche Fächer, haben unterschiedliche Interessen und Stärken bzw. Schwächen. Kurz gesagt – jeder ist anders.

„Vielfalt prägt das Erscheinungsbild der individualisierten Gesellschaft“, bringt es Jörg Kapeller auf den Punkt. Was der Trainer und Coach meint ist leicht erklärt: Erst die Aufklärung, bzw. die Menschenrechte und die Demokratie haben es ermöglicht, unser Leben so zu führen, wie wir das wollen. Es gibt in Österreich nur selten Kleidungsvorschriften, es herrscht Meinungsfreiheit und ich kann mir die Musik anhören, die ich möchte, natürlich nur, solange sich alles im von der Verfassung abgesteckten, rechtlichen Rahmen bewegt. Erst durch diese Liberalisierung wurde es möglich, dass wir unser Leben individuell gestalten können. Genau das bedeutet aber Vielfalt. Selbst wenn sich in einem Raum 200 österreichische Staatsbürger befinden, herrscht in diesem Raum trotzdem eine riesige Diversität vor, eben weil jeder anders ist.

Diversität als politischer (Kampf-)Begriff

Diversität ist heute jedoch vielfach zu einem politischen (Kampf-)Begriff geworden. Jörg Kapeller beispielsweise erlebt das in seiner Arbeit mit Schulen immer wieder: „Diversität und Vielfalt sind zu politischen (Kampf-)Begriffen geworden, darum ist ein vorsichtiger Umgang damit wichtig, damit es zu keiner Abwehrhaltung durch Schülerinnen, Schüler oder Eltern kommt“, berichtet er.

Durch die alltäglichen politischen Diskussionen werden Begriffe wie Vielfalt oder Diversität sehr häufig mit „Kultur“ verknüpft. Das wiederum ist in den Gehirnen der meisten Menschen sehr negativ behaftet. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn diese Begriffe werden in den Medien häufig im Zusammenhang mit der „Flüchtlingskrise“ genannt. Krise löst Angst aus, wir werden von fremden Kulturen quasi überrannt. Dazu kommen noch Vorurteile, die weitergegeben werden. Es ist also kein Wunder, dass es in Schulen immer wieder zu Konflikten zwischen unterschiedlichen Staatsangehörigen kommt. In allen Ländern der Erde werden Vorurteile in unterschiedlichen Intensitäten verbreitet und gegen andere Menschengruppen, Staaten etc. Stimmung gemacht. Das bleibt natürlich auch bei Schülerinnen und Schülern hängen.

Was tun?

Das kann Jörg Kapeller auch durch seine Arbeit berichten: „Sehr häufig werden Ansichten aus der Umwelt oder Medien übernommen, ohne genauer darüber nachzudenken.“

Aus diesem Grund ist Aufklärung sehr wichtig. In den Workshops zu „Diversität“ der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus wird immer versucht, gängige Vorurteile aufzulösen. Man kann aber auch ohne viel Vorbereitung viel tun gegen das negative Bild der Diversität. Diversität ist ein Herzensthema, hat auch viel mit Emotionen zu tun. Man kann sie daher vorleben. Die „goldene Regel“ sagt dabei eigentlich schon das wichtigste aus: „Behandle andere so, wie auch du behandelt werden willst!“. Neben den Eltern sind auch Lehrerinnen und Lehrer Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Wenn man ihnen diese Regel vorlebt, werden sie sie in vielen Fällen kopieren.

Eine andere Möglichkeit ist, dem Begriff „Diversität“ den negativen Beigeschmack zu nehmen. Eine Methode dafür ist die „Diversity Wall“. Hier können Schülerinnen und Schüler bei unterschiedlichen Themen ihre Lieblingsauswahl eintragen. Im Plenum in der Klasse wird sich zeigen, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler als Lieblingsessen „Pizza“, oder als Lieblingssport „Fußball“ eintragen. Diese Übung ist ganz nah an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und zeigt, wie bunt, wie divers das Leben doch ist. Selbst wenn man nur die Einstellungen, Ansichten etc. einer Klasse herannimmt, ist es diverser als ein Blick in die Eisdiele. Davon ausgehend, können dann die komplizierteren Dimensionen des Begriffs geklärt werden.

Gerade bei einem gesellschaftspolitischen so heiklen Themen wie Migration und die damit einhergehende Diskussion über Diversität, ist aber eine professionelle Unterstützung unerlässlich. Dabei geht es nicht darum, die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu ändern, sondern es geht darum, sie zum Nachdenken zu bewegen. Sehr oft kommen negative, mitunter auch rassistische Äußerungen über Eigenschaften, auf die der Mensch keinen Einfluss hat. Niemand kann bestimmen wo und mit welcher Hautfarbe er oder sie auf die Welt kommt. Hier hilft es oft, die Schülerinnen und Schüler mit professionellen Methoden zum Nachdenken zu bewegen.

Die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus bietet unterschiedliche Workshops zum Thema „Diversity“ an. Sollte Sie das Thema auch interessieren, kontaktieren Sie uns einfach. Gerne passen wir den Workshop auch an Ihre Bedürfnisse an, so dass sie ein maßgeschneidertes Produkt erhalten. Denn so vielfältig wie Bedürfnisse, sollten auch die Lösungen sein.

 

Mag. Christoph Hochmüller

 

ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus

Karmeliterplatz 2, 8010 Graz

0316/ 90370-101; office@argejugend.at

 



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