We’re only human after all – Oder der Zwang, „Labels“ für sich zu finden

Viele Menschen wären wohl am zufriedensten, wenn man ihnen eine lange Liste ausdruckt, auf der sie anhaken können, was sie ausmacht: von den Essgewohnheiten, über Charakterzüge, bis hin zur sexuellen Orientierung: ein kleines Kreuzchen bei „Pescetarier“, ein kleines Kreuzchen bei „Introvertiert“, ein kleines Kreuzchen bei „Pansexuell“ – all diese vordefinierten Dinge für sich auszuwählen ist einfach.

Internet-Test: Wer bin ich?

Zweifellos machen solche Eigenschaften einen Teil unserer Identität aus – aber ein kleiner Internet-Test wie z.B. „Welche sexuelle Orientierung hast DU?“ mit vier Antwortmöglichkeiten pro Frage, der am Ende eine willkürliche Bezeichnung als Ergebnis ausspuckt, definiert einen Menschen noch lange nicht. Trotzdem stürzt man sich auf das Ergebnis eines solchen Tests wie auf warme Semmeln, weil man dadurch das Gefühl hat, zu der Gruppe zu gehören, auf welche diese Bezeichnung zutrifft.

Dieser Trend hat sich in letzter Zeit in den Social Media (vor allem bei Jugendlichen) bemerkbar gemacht, die zu einer Gruppe gehören und eine Bezeichnung für sich finden wollen. Es wird ein wahnsinniger Wind darum gemacht, welches „Label“ man sich mit Blockbuchstaben auf die Stirn malt – oder auf seine Seite postet.

Der Drang zur Gruppenzugehörigkeit

Aber wieso meine negative Einstellung zu diesen Gruppen und zu diesen „Labeln“? Der Mensch ist schließlich ein soziales Wesen, das in einer Gruppe am besten funktioniert. Niemand kann es einem verübeln, irgendwo dazugehören zu wollen. Noch dazu, wenn es so einfach ist, sich diese Dazugehörigkeit durch die kleinen Kreuzchen auf der erwähnten Liste zu verschaffen. Aber durch diese Gruppierungen entstehen auch Probleme: Denn würde man einfach sagen „ich bin ein Mensch“, kann sich niemand gegen einen stellen, denn zumindest das haben wir alle gemeinsam.

Wir lieben es, uns mit anderen zu vergleichen, und wenn wir Ähnlichkeit finden, sind wir zufrieden. Finden wir Andersartigkeit, können wir uns nicht damit identifizieren und es entsteht sofort diese Ablehnung, wenn nicht sogar Angst. Je kleiner und ausgefallener die Gruppen sind, die durch ein „Anderssein“ entstehen, desto eher wird jemand da sein, der auf sie herabsieht und im schlimmsten Fall gegen sie hetzt. Zurzeit ist das bekannteste Beispiel wohl der Links-Rechts-Konflikt, aber natürlich gibt es noch unzählige weitere Fälle; Religionen, Nationalitäten, Geschlechter…

Aber am Ende – we’re only human after all – sind wir schließlich nur Menschen. Egal, welche Dinge wir nun essen oder nicht essen, welche Personen wir lieben und nicht lieben. Jeder sollte nicht deshalb akzeptiert werden, weil er eine definierte Bezeichnung für sich gefunden hat, sondern weil er ist, wie er ist, Schluss, Aus, Ende.

Quellen:

https://www.3sat.de/page/?source=/scobel/164779/index.html

http://gesellschaft.psycho-wissen.net/die-gruppe/index.html

http://gesellschaft.psycho-wissen.net/gruppe-und-individuum/index.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Fremdenfeindlichkeit#Sozialpsychologische_Erkl.C3.A4rungsmodelle

Pia Holzer, am 12.04.2000 in Graz geboren, ist bilingual (deutsch-slowenisch) aufgewachsen und möchte einmal so viele Sprachen wie möglich sprechen. Derzeit besucht sie die siebte Klasse des BG/BRG Kirchengasse in Graz.



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